Das Leben und so

Aber der ist ganz lieb

Es gibt Hunde, die rücksichtslos und unhöflich sind. Sie kommen auf uns zugestürmt, drängen sich auf oder pöbeln uns an. Dann reagiert Kalle ungehalten. Das kann ich gut verstehen. So muss man sich ja nicht benehmen.

Dann gibt es Hunde, die anders sind. Höflich und liebenswert, zuckersüß. Ganz lieb eben. Auch dann reagiert Kalle ungehalten. Das kann ich weniger gut verstehen.

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Neulich traf ich eine junge Frau mit einer jungen Hündin. Beide waren super freundlich. Die Hündin war klein, welpenhaft, aufgeschlossen. Ihr Frauchen sprach mich an, erkundigte sich nach Kalle und war verständnisvoll für seine Probleme. Wir könnten die beiden ruhig zusammenlassen, ihre Hündin bezirze jeden, dabei sei es egal, wie der andere sich benehme. Ich glaubte ihr und lehnte ab. Eine direkte Begegnung mit Kalle wollte ich der Süßen jetzt wirklich nicht antun.

So etwas tut mir immer leid. Es tut mir leid, dass wir abweisend zu netten Menschen und Hunden sind. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Natürlich hab ich probiert, Kalle mit anderen Hunden zusammen zu lassen. Er lässt keinen Kontakt zu. Er beißt nicht, aber er knurrt jeden weg. (Mia ist eine absolute Ausnahme. Als sie sich kennen lernten, war Kalle so ängstlich, dass er überhaupt nicht reagierte. Und sie interessierte sich einfach nicht für ihn.)

Manchmal träume ich. Ich träume, dass wir einem anderen Hund begegnen. Zuerst ist Kalle abweisend, doch dann lässt er sich auf den anderen ein. Die beiden beginnen zu spielen. In diesem Moment bin ich glücklich. Ich hoffe, dass es nicht nur ein Traum ist. Dann wache ich auf, und natürlich war es ein Traum.

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Mit mir spielt er. Aber ich bin darin einfach nicht so gut wie ein Hund.
Ich weiß nicht, warum Kalle sich so verhält. Aber ich weiß, dass ich ihn nicht zwingen kann, Freunde zu finden. Es ist seine Entscheidung, nicht meine. Und die muss ich akzeptieren. Auch wenn ich manchmal wünschte, es wäre anders.

Und bitte: Vielleicht ist es meine Schuld. Vielleicht mache ich alles falsch. Aber liebe Gruppe gemeinsam spazierengehender Damen, Sie waren nie in meiner Situation. Sie wissen nicht, ob Sie es besser machen würden. Würden Sie bitte die Höflichkeit besitzen, mit dem Lästern zu warten, bis ich außer Hörweite bin? Das ist einfach nicht nett.

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Auch wenn ich manchmal ein bisschen jammere: Ich liebe diesen Hund
So endete dieser Text ursprünglich. Beim erneuten Durchlesen kam mir dieses Ende aber dann doch etwas zu trübsinnig vor. Die positive Sicht der Dinge:

In unserer Nähe wohnt eine Hündin, die ebenfalls ängstlich ist, aber im Gegensatz zu gewissen anderen Hunden (Hallo Kalle!) ein sehr sanftes und zurückhaltendes Wesen hat. Vor Kurzem habe ich aus einiger Entfernung beobachtet, wie mehrere freilaufende Hunde sie bedrängten. Sie selbst war angeleint, hatte Angst und fühlte sich sichtlich unwohl, aber die anderen Hundebesitzer hielten es nicht für nötig, ihre Hunde zu sich zu holen. Bis wir näher kamen. Plötzlich waren alle Hunde brav an der Leine. Wir sind ja hinreichend bekannt (oder berüchtigt?) in der Gegend. Manchmal hat das echt Vorteile. 😉

0 Kommentare

  • Wohlstandshund

    „Wenigstens“ lästern die Damen nur über dich. Mir sagte ein Frau erst diese Woche ins Gesicht, ich solle meinem Hund doch einen Maulkorb hinmachen, wenn er so gestört sei.
    Den Traum von tollen Hundebegegnungen habe ich übrigens auch öfters. Meist habe ich dann am Anfang immer das blöde Bauchgefühl, wie im echten Leben. Wundersamerweise erweist sich das dann als völlig unbegründet und alle verstehen sich total prima! Mein Herz lacht jedes Mal und ich hasse es genau wie du aufzuwachen und festzustellen, dass es nicht echt war.

    • Schätersky und Frauchen

      Irgendwie beruhigt es mich, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. 🙂
      Oh, das würde mich ja auch wahnsinnig aufregen, wenn jemand meinen Hund als gestört bezeichnen würde. Wenn sie über mich lästern, macht mich das nur ein wenig traurig, aber wenn jemand so über einen meiner Hunde redet, ärgert mich das sehr…

  • oldieat

    Kann ich voll nachvollziehen! Mein Hund, Rüde, Jack Russell, fast 9 J. alt? ist ein Macho. Enteedé er bekommt beim Sehen anderer 4Beiner, cholerische „Belleritis“oder er lässt den anderen rankommen, beschnüffelt „das Wesen“ mit wedelndem Schwänzchen, der andere „darf“ auch kurz näher kommen, um dann im nächsten Moment schlagartig mit hochgezogene Schnauze und heftigem Knurren seitlich anzugreifen!!! Kotzt mich an, diese „hinterfurzige Art“. Hat irgendwann vor Jahren damit angefangen, ich hab‘ wahrscheinlich irgendwann den Moment des direkten Korrigierens verpasst. Mein Gefühl, nachdem er mal schwer von einem Schäferhund im li. Hinterlauf gebissen worden war, ist es bei ihm Schiss oder Machogehabe, nach dem Motto, pass auf Du, ich mache dich platt!

    • Schätersky und Frauchen

      Das ist sicher auch sehr frustrierend. Kalle ist immerhin „ehrlich“ und macht jedem schon auf Entfernung klar, dass Näherkommen keine gute Idee wäre. 😉 Möglicherweise möchte dein Hund ja bei Begegnungen anfangs wirklich Kontakt, bekommt aber Panik, sobald der andere dicht dran, weil er diese schlechte Erfahrung mit dem Biss gemacht hat. Die Terriergene lassen dann ja keine andere Wahl als Angriff, das ist bei Kalle auch so. 🙂

    • Ursula Lieb

      ups — da geht mir ein Licht auf ! Meine Bodeguero Hündin ( spanischer Terrier- sieht aus wie ein Jack Russel …) zeigt nun auch dieses Verhalten- nett & freundlich schnüffeln und beschnüffeln lassen und plötzlich die Furie rauskehren …. ja …. da war nämlich was mit (größeren) Hunden, zu ihren Ungunsten …… ! Sie hat einfach „Angst“ und beim leisesten Anflug eines Mißverständisses mit dem anderen Hund ist dann lieber sie es die die „Zähne zeigt“ ….. verstehe ! d.h. Frauchen muß besser aufpassen und mit ihr “ üben“ … fürchte aber – eine solche negative Erfahrung sitzt zu tief …. nun .. auf jeden Fall verstehe ich´s jetzt besser … 🙂 Danke …..

  • labradorbran

    Ich glaube, es ist egal, wie der Hund ‚tickt‘ – manche Leute geben einfach gerne Ihren Senf dazu und brauchen das für ihr Ego.
    Wie ich letztens in meinem Blog schrieb, ich gehöre zu denen, die ihren Hund beiseite nehmen, wenn sie sehen, da kommt jmd mit einem alten oder unsicheren Hund und ist auch nicht gut…
    Mir sagte einmal auch eine Dame ins Gesicht, es ging um den Vorgänger von meinem, dem das Ohr gestanzt wurde, mein Hund habe es verdient, gebissen zu werden.

  • Menschin

    Tiffi ist ja nunmal eher der ängstliche, ruhige Typ. Sie liebt es, wenn wir mit ihrem Kumpel Shep unterwegs sind. Der bellt grundsätzlich jeden anderen Hund an und so ist Tiffi sicher.
    Die blöden Sprüche kenne ich nur zu gut.
    „Wenn ihr Hund keinen Kontakt haben darf, dann ist es ja kein Wunder, dass er Angst hat.“
    „Was haben Sie denn gemacht, dass der so Angst hat?“
    „Der Hund hat rumänischen Streuhusten. Hol deinen lieber weg!“ … Ja okay. Das war meine eigene Schuld. An dem Tag hatte ich einfach keinen Nerv mehr zu diskutieren, warum ich keinen Kontakt will.

    • Schätersky und Frauchen

      Bei Kalle muss ich keine Krankheiten erfinden, er macht selbst sehr deutlich, was er davon hält, wenn ihm jemand zu nahe kommt. 🙂 Die Leute denken aber auch häufig, dass ich ihm Kontakte verbieten würde. In Wirklichkeit ist es eher umgekehrt, er teilt mich nicht gerne. 😉

  • Claudia Jelinski

    ok hands down. Das ist der coolste Blog den ich bis jetzt gefunden hab! ich lese grad deine blogeinträge und musste sooo häufig schon lachen 😀 ich kann nicht mehr! so geil!! liebe grüße an dich und die wuffis 😀 ich freu mich auf die nächsten einträge

  • Ursula Lieb

    auch ich bin etwas müde all der tollen, lehrreichen, sinnvollen, nachvollziehbaren ( manchmal mehr – manchmal weniger …) Tipps zur Hundeerziehung im Netz etc. pp. …. und dann stolpere ich über Deinen Blog — wow … Du kommst so herzerfrischend ehrlich, realistisch, authentisch rüber …… macht Freude zu lesen und habe mich jetzt auch „festgebissen“ .. 🙂 und habe wohl einiges nachzulesen …!? 🙂 DANKE ……

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