Gedachtes

Berufung trifft Hund

Eine Blogparade von Anna Meißner zum Thema „der Hund als Berufung“. Ein Beitrag von Kerstin, Buddy und Amber, der mich berührt hat, mir so sehr aus dem Herzen spricht. Schon beginnen die Worte zu fließen.

Etwas mit Tieren wollte ich arbeiten. Früher, als Kind. Dann kamen die Überlegungen.

Etwas mit Hunden am liebsten. Genau wie Kerstin habe ich zuerst an Tierpflegerin gedacht. Nur ein kleines Problem gab es da: Meine Tierhaarallergie. Schon ein kurzer Aufenthalt im Katzen- oder Kleintierbereich zeigt, dass ich diesen Beruf von der Liste streichen kann. Also etwas mit Hunden, ohne andere Tiere. Hundetrainerin.

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Das Lernverhalten von Tieren fasziniert mich ungemein. Ich liebe es, mit Hunden zu trainieren, mit ihnen zu kommunizieren, von ihnen zu lernen. Als Hundetrainerin arbeitet man aber vorwiegend nicht mit Hunden, sondern mit Menschen. Und während ich die allermeisten Hunde spontan mag, ist das mit Menschen eher durchwachsen. Es gibt diejenigen, die das Beste für ihren Hund wollen und bereit sind, dafür zu arbeiten. Und es gibt diejenigen, die wollen, dass ihr Hund funktioniert. Allerdings wollen dafür nichts tun. Natürlich kann man sich weigern, mit solchen Leuten zu arbeiten. Sofern man sich das leisten kann und auf die Gefahr hin, dass sie sich fragwürdigeren „Trainingsmethoden“ zuwenden. In der Hundeschule hatten wir so einen Fall. Vernachlässigung, gewaltsame Erziehungsmethoden, irgendwann hat der Hund sich gewehrt und geschnappt. Wurde eingeschläfert und durch ein anderes Modell ersetzt. Die Hundeschule half der Familie bei der Auswahl und Erziehung des neuen Welpen, um wenigstens diesem das gleiche Schicksal zu ersparen. Das bewundere ich ehrlich. Genützt hat es nur bedingt. Dieser Hund hat nie einen Menschen verletzt. Nur sich selbst. Das Letzte, was ich von ihm gehört habe, ist, dass er sich die Pfoten blutig beißt. Wenn ich jetzt daran denke, wie dankbar er für jede Streicheleinheit war, was für ein fröhlicher Hund er bei den richtigen Menschen sein könnte, zerreißt es mir das Herz.

Diese Geschichte hat mir eines gezeigt: Ich kann das nicht. Ich bewundere alle, die damit umgehen können, sich auf das Positive konzentrieren können. Denn Hundetrainer helfen so vielen Hunden und Menschen, es sind ja nur wenige, für die man nichts tun kann. Es ist ganz sicher ein wundervoller Beruf. Aber für mich nicht der richtige.

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Es gibt noch ein paar Berufe mit Hunden, die mir einfallen. Aber alle haben irgendwelche Haken. Ist es das? Suche ich einen Beruf ohne Haken, Perfektion? Das trifft es nicht ganz. Es ist, wie Kerstin schreibt: Würde ich meine Leidenschaft für Hunde (oder auch für das Schreiben) zum Beruf machen, würde ich meine Freiheit aufgeben. Und keine der Möglichkeiten scheint mir das wert zu sein.

Also tue ich etwas „Vernünftiges“. Ich studiere Physik. Das sei das Richtige für mich, haben mir andere gesagt. In den ersten Semestern war ich mir da nicht so sicher, es war eigentlich etwas langweilig. Aber ich hatte auch keine bessere Idee. Zu diesem Zeitpunkt war ich außerdem bereits für Kalle verantwortlich und musste ihn in meiner Planung berücksichtigen. Und plötzlich wurde es spannend. Plötzlich konnte ich… die Welt sehen. Bis in die kleinsten Strukturen, bis in die Anfänge des Universums. Alles in diesen Gleichungen. Wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist es, was ich möchte. Eine Berufung? Vielleicht…

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Ein leises Bedauern, weil ich nicht mit Hunden arbeite, bleibt. Weil, um bei Faust zu bleiben, zwei Seelen in meiner Brust wohnen. Hunde und Physik einander manchmal ein bisschen den Platz streitig machen. Und wegen des Wissens, dass die Forschung wohl auf Dauer nicht mit Hundehaltung vereinbar sein wird. Noch funktioniert es gut, auch dank der Hilfe meiner Mutter. Doch irgendwann würde ich die Uni wechseln, möglicherweise weit weg ziehen müssen. Kalle hat einen Platz in meinem Herzen, von dem ihn nicht einmal die Physik verdrängen kann. Die Entscheidung wird keine sein. Irgendwann werde ich die Forschung wohl aufgeben müssen. Eine andere Berufung finden, das wird sich ergeben. Aber nicht heute.

0 Comments

  • Socke-nHalter

    Was für ein schöner, offener und für mich nachvollziehbarer Beitrag.

    Ich habe Socke, meinen ersten eigenen Hund in einem Alter bekommen, in dem ich schon 10 Jahre mein langes und arbeitsintensives Studium abgeschlossen habe und berufstätig war. Es kam mir nie in den Sinn etwas mit Tieren zu arbeiten.

    Zum einen muss ja nicht jedes Hobby, jede Leidenschaft oder Passion zum Beruf werden.

    Zumal möchte ich gerne ein gutes Leben mit ausreichendem und sicheren Einkommen führen. Nicht nur, dass mir mein Einkommen es ermöglicht Socke zu versorgen. Ich denke auch an mein Alter und möchte gut leben können. Dabei bin ich wirklich kein Snob…

    Es mag Berufe im Tiervereich geben, die einem das ermöglichen. Dazu gehört für mich aber nicht der Beruf der Hunderrainer ( nicht jeder hat das Glück so geschäftstüchtig wie Martin Rütter pp. Sein zu können), Leinen und Spielzeughersteller an der privaten Nämaschine oder Keksmanufakturen. Und schon gar nicht, wenn man damit erst mit 35 Jahren anfängt.

    Und ein Tiermedizinstudium oder den Aufbau eines innovativen Großkonzerns waren mir zu anstrengen, es fehlten Kontakt, Ideen und das richtige Studium.

    Aber wenn ich in Rente bin, in für mich noch schrecklich langer Zeit, würde ich gerne Tiermedizin studieren und eine Tibet Terrier Pfelgestelle haben……

    Ich kann meine große Liebe zu Socke und zu Hunden sehr gut neben meinem Beruf als Juristin leben. Denn ganz ehrlich, meinen Beruf liebe ich auch. Ich berate und helfe anderen sehr gerne……

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke, die sich für den langen Kommentar entschuldigt

    • Schätersky und Frauchen

      Du wirst die beste Tibet Terrier Pflegestelle haben, die man sich vorstellen kann! 🙂 Ich kann mir übrigens auch gut vorstellen, später eine Pflegestelle zu haben und vielleicht irgendwann nur noch Teilzeit zu arbeiten, um mehr Zeit für die Hunde zu haben. Das wird sich dann alles finden.

      Viele liebe Grüße,
      Nora mit Mia und Kalle

  • Anna Meißner

    Hey Nora,
    vielen Dank für deinen wunderschönen Beitrag zur Blogparade! Besonders gefallen haben mir deine Gedanken zur Hundetrainerausbildung. Man merkt, du kennst dich gut und auch die Hundeszene. ich wünsche dir viel Spaß im Studium und dass du Wege findest, Beruf & Hund auch danach gut miteinander zu verbinden.
    Alles Liebe
    Anna

  • Wohlstandshund

    Bei mir war tatsächlich so wie bei dir: Meine Tierhaarallergie ließ einen Job mit Katzen, Pferden, Hasen, Meerschweinchen etc. nicht zu. Auf Hunde reagier ich übrigens auch – nur auf meine eigenen nicht mehr. Offenbar hat sich mein Immunsystem darauf eingestellt. Die erste Woche als mein Hund Bully vor über 20 Jahren einzog, haben meine Augen und meine Nase ständig gejuckt und ich war damit beschäftigt, das zu verbergen, damit meine Eltern den Welpen nicht wieder zurückbringen. Irgendwann hat es aber aufgehört. Jahre später bei Louni war es das gleiche Spiel.

    • Schätersky und Frauchen

      Eine Hundehaarallergie wäre ja mein absoluter Albtraum! Wie gut, dass sich dein Immunsystem noch daran gewöhnt hat. Bei mir hat das mit der Katze meiner besten Freundin auch ganz gut funktioniert, auf die habe ich nach einer Weile auch kaum noch reagiert. Auf meine Kaninchen reagiere ich dagegen nach wie vor, die könnte ich nicht in der Wohnung halten. Sehr merkwürdig, das Ganze… 😉

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