Das Leben und so

Blitzlichtding 2019

08.01., Frankfurt. Die aufgehende Sonne taucht unser neues Gassigebiet in goldenes Licht. Ich kann es noch immer kaum glauben, dass wir diese nahezu perfekte Wohnung gefunden haben. Eine tiefe Zufriedenheit erfüllt mich.

 

 

16.01., Hirschegg. Kalle hätte so einen Spaß in diesem Schnee. Konferenz ohne die Hunde. Vermisse die beiden.

 

 

30.01., Frankfurt. Endlich haben wir auch zu Hause etwas Schnee.

 

 

12.02., Frankfurt. Meine Masterarbeit ist abgegeben. Wir feiern mit einer gemeinsamen Inlinertour.

 

 

24.02., eine Wiese. Kalle beobachtet einen Hasen. Still sitzend. Ohne auszurasten, in die Leine zu springen oder zu kläffen. Ich bin stolz. Mindestens so sehr wie auf die Masterarbeit. Eher mehr.

 

Siehst du den Hasen über Kalles rechtem Ohr?

 

13.03., Schleiden. Retreat ist… Retreat halt. Schleiden ist… nicht der coolste Ort des Jahres.

27.03., Taunus. Wir haben den Taunus für uns entdeckt und genießen eine von noch vielen kommenden langen Wanderungen in den Bergen.

 

 

01.04., Frankfurt. Mein erster Tag als Doktorandin. Draußen ist Frühling. Und auch in mir fühlt sich alles nach Anfang und Leben und Hoffnung an.

 

 

21.04., Rosbach. Osterspaziergang. Noch immer ist Frühling.

 

 

05.06., Frankfurt. Wir sind am Bach. Es ist ein Abschied. Ich habe ein flaues Gefühl im Bauch. Zwei Wochen. So lange waren wir noch nie getrennt.

 

 

14.06., Krakau. Zu Besuch bei einem befreundeten Professor der Universität Krakau. Ich mag die Stadt, die Universität, die Menschen. Alles scheint etwas entspannter zu sein als in Deutschland, die Leute haben mehr Zeit. Wie immer vermisse ich die Hunde.

 

 

18.06., Zakopane. Ich nutze diese Konferenz, um äußerst wichtige Kontakte zu knüpfen. Man weiß ja nie, wann Freundschaften zu polnischen Hofhunden mal wichtig sein könnten.

 

 

25.06., Frankfurt. Wir sind so glücklich, zusammen zu sein, zu Hause zu sein. Es ist Sommer.

 

 

06.07., Frankfurt. Die Vorlesungszeit neigt sich ihrem Ende zu. Die Tage sind lang und sonnig. Die Temperaturen klettern immer weiter in die Höhe. Wir gehen morgens spazieren und verbringen die Tage mit Arbeiten und Schlummern.

 

 

23.07., Allgäu. Lange Wanderungen, viele Abenteuer, Entspannen am See. Wir genießen unseren Urlaub in vollen Zügen.

 

 

15.08., Frankfurt. Wir laufen. Kalle strahlt reine Freude aus. Ich lasse mich anstecken, lache vor Glück. Er dreht den Kopf und grinst mich breit an. Nie hätte ich gedacht, dass Canicross genau das Richtige für uns ist.

 

 

30.08., Frankfurt. Der Sommer vergeht in heißen Tagen, arbeitend im Schatten der Obstbäume und an der nahezu leeren Uni. Herrliche Ruhe und eine gewisse Zeitlosigkeit.

 

 

10.09., Cuxhaven. Wir lieben die Nordsee! Lieben das Meer, das Watt, die Wälder, die Heide! Am liebsten möchte ich hier gar nicht mehr weg.

 

 

14.09., Wingst. Das Vertrauen dieses Hundes macht mich sprachlos. Camp Canis: Boote, Seilbahn, klettern, rutschen. Macht er alles mit. Das mutigste Wesen auf diesem Planeten. Ich bin mir sicher.

 

 

13.10., Friedberg. Gemeinsamer Ausflug, ein letzter freier Tag, bevor das Semester startet. Ein bisschen traurig bin ich, weil der Sommer mit seiner Stille und Konzentration damit endgültig vorbei ist. Freue mich aber auch auf die Studenten und den Herbst.

 

 

02.11., Shanghai. Schon wieder bin ich ohne die Hunde unterwegs. Ich mag die Konferenz. Die Stadt mag ich nicht.

 

 

10.11., Wuhan. Schöner als Shanghai. Wenn nur die Hunde hier wären.

 

 

16.11., Frankfurt. Ich verspreche, dass ich jetzt erstmal bei euch bleibe.

 

 

20.11., Frankfurt. Kalle wurde gebissen. Nicht schön, besonders nicht für einen ohnehin ängstlichen Hund. Darf die Wunde nicht lecken. Hat Angst vor dem Trichter. T-Shirt und ständige Aufsicht. Nach ein paar Tagen bin ich sehr müde.

 

 

26.12., Taunus. Endlich mal wieder Zeit für einen Ausflug. Wandern mit Burg und Wasserfall. Zuhause Bratapfel. Eigentlich könnte öfters Weihnachten sein.

 

 

29.12., Frankfurt. Ich schreibe ein Blitzlichtding und lasse die Bilder des vergangenen Jahres noch einmal an mir vorbei ziehen. Komme zu dem Schluss, dass es insgesamt ein sehr glückliches Jahr war. Ich bin so froh, dass ich Anfang des Jahres endlich umziehen konnte. Meine Wohnung macht mich glücklich und ich war überrascht, wie schnell sie sich nach zu Hause angefühlt hat. Und auch meine Arbeit macht mich glücklich. Mitunter überzeuge ich mich abends selbst, aufzuhören und ins Bett zu gehen: Wenn ich jetzt schlafen gehen, ist schnell wieder Morgen und ich kann weiter machen. Zuletzt habe ich mir solche Dinge als Kind gesagt. An Weihnachten oder so. Noch glücklicher machen mich natürlich meine Hunde. Meine Beziehung zu Kalle ist noch enger geworden. Wir verstehen einander wortlos. All die kleinen und großen Abenteuer, das Laufen, die ungezählten Stunden, die wir einfach nur nebeneinander sitzen bzw. liegen. Es gibt so vieles, wofür ich dankbar bin.

Wir haben viel erlebt dieses Jahr. Viele neue Orte gesehen. Viel gelernt. Uns weiterentwickelt. Kalle, der auf Menschen zugeht und Streicheleinheiten einfordert. Ich, Vorträge vor großem Publikum haltend und mich dabei ruhig und sicher fühlend. Auch dank einem gewissen Hund, bei dem ich lernen konnte, einigermaßen souverän aufzutreten. Wenn ich uns mit unseren jüngeren Ausgaben vor einigen Jahren vergleiche, bin ich selbst ein wenig überrascht. Was die Erziehung des jeweils anderen angeht sind wir mittlerweile, denke ich, an einem Punkt, an dem wir zufrieden sind. Nichts mehr verbessern wollen und Macken einfach akzeptieren. So versuche ich nicht mehr, Hundekontakte zuzulassen, die Kalle ohnehin nicht möchte. Ich muss das nicht ändern. Es hat etwas Befreiendes.

 

 

Natürlich ist nicht immer alles nur toll. Hunde, Arbeit und Haushalt unter einen Hut zu bekommen kann echt schwierig sein. Manchmal habe ich das Gefühl, kaum Zeit zum Atmen zu haben. Der Blog kommt dann erst recht zu kurz. Ich hatte schon überlegt, komplett aufzuhören. Aber das Schreiben fehlt mir dann doch. Und zwar das Schreiben von Texten, die nicht größtenteils aus Sätzen wie „Inserting equation (97) into equation (114) we obtain equation (116).“ bestehen. Ich versuche, allem gerecht zu werden. Dieses Jahr war ich wohl trotzdem zu viel ohne die Hunde unterwegs. Nächstes Jahr wird das etwas besser, hoffe ich.

Dann ist da die Sache mit Mia. Mittlerweile ist sie fünfzehn und das Zusammenleben mit ihr manchmal sehr anstrengend. Auch Kalle kann anstrengend sein, aber von ihm bekomme ich umso mehr zurück. Mia hingegen nimmt kaum je Notiz von uns. Nicht wenn ich nach Hause komme. Nicht wenn ich mich neben sie setze. Höchstens steht sie dann auf und geht weg. Nur zur Essenszeit taucht sie kurzfristig aus ihrer eigenen Welt auf. Ich würde gerne neben den täglichen Spaziergängen etwas mit ihr unternehmen, dass nichts mit Essen zu tun hat. Habe aber keine Ahnung, was. Alles Sportliche fällt natürlich weg. Auch sonst scheint sie an nichts Interesse zu haben. Ich versuche, sie trotzdem in unseren Alltag zu integrieren. Und hoffe, dass ich den nächsten Jahresrückblick noch immer mit beiden Hunden an meiner Seite schreibe.

Und doch, alles in allem bin ich glücklich. Freue mich auf 2020. Es gibt so viel, was ich nächstes Jahr lernen möchte, sehen möchte. Möglichst viel Zeit mit Forschung verbringen. Möglichst viel Zeit mit den Hunden verbringen. Weiter schreiben. Vielleicht anfangen zu fotografieren (bis jetzt kann man meine Bilder kaum als Fotografie bezeichnen), falls ich denn die Zeit dafür finde. Neue Orte entdecken. Im März wollen wir nochmal zu Camp Canis, dieses Mal in Hoope. Dann plane ich eine Reise mit den Hunden im Sommer oder Herbst. Doch wohin? Es gibt ein paar Ecken in Deutschland, die ich gerne sehen würde, den Bayrischen Wald etwa oder die Lüneburger Heide. Dann locken aber auch noch andere Länder, in denen ich noch nie war. Slowenien, Ungarn, Italien, Schweden. Entscheidungen sind nicht so mein Ding. Es wird auf jeden Fall ein weiteres spannendes Jahr, davon bin ich überzeugt. 

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