Gedachtes

Die doppelte Portion Glück oder Mussten es wirklich gleich zwei sein?

Zweithund, eine gute Idee? Diese Frage stellt Julia von miDoggy diesen Monat zur Blogparade.

Mussten es wirklich gleich zwei sein? Das frage ich mich durchaus manchmal. Besonders, wenn ich mit zwei Hunden (von denen einer altersbedingte Gelenkprobleme  hat und nicht viele Treppen laufen sollte und der andere ängstlich ist und eine ruhige Umgebung braucht) in Frankfurt eine Wohnung suche. Wenn ich mich frage, wie ich Hundehaltung und Uni in Zukunft vereinbaren soll. Einen Hund könnte ich mit zur Uni nehmen. Aber zwei? Manchmal kommt es mir heute so vor, als sei die Entscheidung für Kalle nicht besonders durchdacht gewesen. Doch das war sie eigentlich.

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Die Voraussetzungen für einen Zweithund waren lehrbuchmäßig erfüllt. Der Ersthund mit acht Jahren gefestigt, sozialverträglich, nicht perfekt, aber vollkommen alltagstauglich erzogen. Level 1 der Hundeerziehung completed, Zeit für Level 2. Während Mia bewusst als einfacher Anfängerhund ausgesucht wurde, durfte es jetzt ein Hund „mit Vergangenheit“ sein. Ein Rüde, ähnliche Größe und Statur. Laufbedürfnis und Temperament sollten zusammen passen. Das heißt ein sportlicher Hund, der gerne unterwegs ist, aber zuhause zur Ruhe kommt und sie nicht ununterbrochen nervt. Sensibel sollte er sein, Trampeligkeit mag sie gar nicht. Kalle erfüllt all das. Die beiden verstehen sich gut, es gibt keinerlei Streitigkeiten zwischen ihnen.

An dieser Stelle ein kurzer Einschub:

Über Gleichberechtigung zwischen Hund und Mensch habe ich ja bereits geschrieben. Aber was ist eigentlich mit den Hunden untereinander? Das Lehrbuch sagt, dass ich einen Hund bevorzugen muss, um sie oder ihn als Ranghöchsten zu bestärken. Das wirft direkt zwei Fragen auf.

Erstens: Welchen?

Mia, weil sie älter, eine Hündin und selbstbewusster ist?

Kalle, weil er immer vorne steht, wenn sie auf ihr Futter warten, sie ohne Protest ihrerseits aus meiner Nähe verdrängen kann und über jede ihrer Markierungen seinerseits markiert (und umgekehrt nie)?

Zweitens: Möchte ich das?

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Die Antwort auf die erste Frage kenne ich nicht. Sie interessiert mich auch nicht. Die Antwort auf die zweite Frage lautet nämlich Nein. Ich behandele meine Hunde gleichberechtigt. Dadurch haben sie keinen erkennbaren Schaden genommen. Es gibt auch keine Konflikte zwischen ihnen. Das mag am großen Altersunterschied liegen, am verschiedenen Geschlecht der beiden oder einfach daran, dass sie bislang nicht so viel Interesse an der Weltherrschaft gezeigt haben, wie ihnen gerne unterstellt wird.

Ich behandele sie nicht gleich. Kalle braucht mehr Nähe, mehr Sicherheit, einen engeren Rahmen. Mia benötigt einen gewissen Freiraum. Aber ich bevorzuge keinen allgemein, versuche keine Rangordnung durchzusetzen. Stattdessen belohne ich rücksichtsvolles, „faires“ Verhalten. Wer dem anderen Futter oder Spielzeug überlässt, bekommt etwas Neues. Es gibt genügend Liegeplätze für alle, und ich kann zwei Hunde gleichzeitig kuscheln. So entstehen Konflikte gar nicht erst. Damit ist das Zusammenleben der beiden sehr harmonisch.

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Trotzdem gibt es zwei Punkte, die ich mir anders vorgestellt hatte:

  1. Beschäftigung der Hunde miteinander. Das stellt man sich ja so vor. Dann spielen die beiden schön, kuscheln vielleicht ein bisschen und ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mal weniger Zeit habe. Nix da. Gespielt wird genau dann, wenn ich beide dazu auffordere und das Spiel aktiv am Laufen halte. Von sich aus kommen sie nie auf die Idee zu spielen. Und kuscheln miteinander sowieso nicht. Da bin nur ich gefragt. Menschen sind einfach besser im Bauchikraulen, schätze ich.
  2. Hundebegegnungen. So ein verträglicher Ersthund ist nur bedingt nützlich bei der Sozialisierung des Zweithundes. Der ist nämlich möglicherweise viel zu sehr beschäftigt, sein Vorbild eifersüchtig zu verteidigen, als dass er sich irgendwelches Verhalten abschauen würde. Seit Kalles Einzug ist zudem Mias Interesse an anderen Hunden stark gesunken. Keiner von beiden legt Wert auf Kontakte zu anderen. Wozu auch, man hat ja einander.

Ein Zweithund bedeutet mehr Arbeit und komplizierteres Planen. Für zwei Hunde braucht man die doppelte Zeit, die doppelte Aufmerksamkeit. Man muss sich mit Hundeverhalten auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen, weil sonst die Hunde das tun und zwangsläufig überfordert sind. Ist man dazu bereit, ist das Zusammenleben mit zwei Hunden wunderschön. Ein Hund bedeutet Glück. Und ein zweiter Hund verdoppelt das Glück.

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Es gibt noch eine Frage, die sich hin und wieder in meinen Kopf schleicht. Die ich verdränge, weil ich nicht darüber nachdenken möchte. Mia ist dreizehn. Was wird, wenn sie einmal nicht mehr bei uns ist? Wird es wieder einen Zweithund geben? Ich bin optimistisch und nehme an, dass das noch eine ganze Weile hin ist. Dass ich bis dahin eine fest Arbeitsstelle und eine Wohnung habe. Wenn ich Glück habe, sind bei beidem auch zwei Hunde erlaubt. Wird Kalle sich auf eine andere Hündin einlassen? Die Voraussetzung des Gefestigtseins wird er nie erfüllen, dazu sitzt seine Angst zu tief. Er wird immer viel Aufmerksamkeit und Anleitung benötigen. Wäre es verantwortungslos, dann einen neuen Hund dazuzunehmen? Oder wäre es verantwortungslos, ihn ohne Hundegesellschaft zu lassen? Ein Hund braucht doch Sozialkontakte und auf Spaziergängen lässt er niemanden an sich heran. Auf diese Fragen habe ich bislang keine Antwort. Ich hoffe einfach, dass bis dahin noch viel Zeit ist. Und dass sich dann alles finden wird.

4 Comments

  • Isabella

    Es wird sich auch alles finden – wenn die Zeit es notwendig macht. Wir leben ja schon sehr lange mit immer zwei Hunden an unserer Seite. Die Teams haben sich verändert, der Umgang miteinander hat sich geändert … aber mit zwei Hunden ist es immer weitergegangen.
    Ich wünsche Dir, dass Du noch lange Zeit hast bis so eine Veränderung ansteht – und bis dahin weiterhin eure gemeinsame Zeit genießt.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  • Socke- nHalterin

    Ich finde es immer recht spannend zu lesen, warum wann ein zweiter Hund einzieht. Zudem ist es faszinierend, dass bei fast allen Hundehaltern irgendwann der Wunsch nach einem Zweithund kommt. Ich finde Socke so toll, dass ich mir gerne einen weiteren Welpen geholt hätte, damit Socke diesen für mich mit erzieht. Doch Socke ist der geborene Einzelhund, mittlerweile krank und ich nicht in der Lage zwei Hunden gerecht zu werden. Insoweit bin ich heilfroh, dass ich eigentlich nie die Wahl hatte….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Schätersky und Frauchen

      Wenn man mit einem Hund glücklich ist, kommt man möglicherweise früher oder später auf den Gedanken, dass man mit zwei Hunden noch glücklicher sein könnte. 😉 Natürlich müssen aber die Umstände passen und wenn der eigene Hund besonders viel Pflege benötigt, ist ein zweiter Hund sicher nicht immer das Richtige.

      Viele liebe Grüße,
      Nora mit Mia und Kalle

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