Hunde Liebe
Bücher

Die Liebe der Hunde – ein neues Lieblingsbuch [Werbung]

Liebt er mich, so wie ich ihn liebe? Ich schaue in seine dunkelbraunen, tiefen Augen und stelle mir die Frage aller Fragen. Vielleicht beschäftigt dich diese Frage ebenso. Wie kannst du wissen, ob er (oder sie) dich wirklich liebt? „Höre auf dein Herz“, würde ich dir antworten, wenn ich deine Mama wäre. Nun bin ich allerdings nicht Mutter, sondern Wissenschaftlerin. Und als solche möchte ich wissen: Lieben unsere Hunde uns? 

So leicht und natürlich Liebe zu spüren ist, so schwierig ist sie wissenschaftlich zu beschreiben. Viel zu lange wurden deshalb Gefühle von Tieren im Allgemeinen und Liebe im Speziellen von der Wissenschaft ignoriert und sogar verleugnet. Als sentimental und unwissenschaftlich bezeichnet. Zum Glück gab es in letzter Zeit mutige und kompetente Forscher, die sich dem Thema kritisch, aber unvoreingenommen angenommen haben. Und Erstaunliches festgestellt haben. Einer von ihnen ist Clive Wynne.

In seinem Buch „…Und wenn es doch Liebe ist?“ geht Clive Wynne vor allem einer Frage nach: „Was ist es, was Hunde so besonders macht?“ Sie so eng an uns Menschen knüpft, so wertvoll für uns in so vielen Bereichen macht, zu solchen Leistungen befähigt? Ist es außergewöhnliche Intelligenz? Ausdauer? Eine schnelle Auffassungsgabe? Oder vielleicht doch… Liebe?

Gleich vorweg: Dieses Buch ist eines der besten Hundebücher, die ich je gelesen habe. Seit „Das andere Ende der Leine“ von Patricia McConnell hat mich keines mehr so begeistert. Informativ, wissenschaftlich fundiert, dabei leicht verständlich geschrieben. Und mit einer sehr wichtigen Aussage. Inhaltlich hat es mich sofort gefesselt. An einigen Stellen hätte ich beinahe zustimmend genickt. An anderen dachte ich nur „wow“, weil ich die Erkenntnis so cool fand.

 

Hundebuch

 

Aber von Anfang an. Im Folgenden möchte ich kurz meine Highlights dieses Buches skizzieren. Natürlich ist das eine persönliche und unvollständige Auswahl. Für die volle Erkenntnis musst du das Buch schon selbst lesen. 🙂

Angeboren oder erlernt?

Vielleicht hast du schon einmal vom „Zeigeexperiment“ gehört: Mensch zeigt auf Gegenstand, Hund folgt der zeigenden Hand und läuft zu diesem Gegenstand. Angeblich ein Hinweis auf die angeborene „Genialität“ von Hunden in Bezug auf Menschen, dass sie diese Geste verstehen. Nun hatte ich, als Kalle frisch bei mir eingezogen war, die Gelegenheit, dieses Experiment mit einem Hund durchzuführen, der bis dahin keine feste Anbindung an Menschen hatte. Und stellte fest: Der Hund hat keine Ahnung, was ich von ihm möchte. Er musste es erst lernen.

Das Gleiche, was ich durch meine „Wohnzimmerstudien“ bemerkte, haben der Autor und seine Kollegen durch echte Wissenschaft gezeigt: Hunde verstehen unsere Gesten nicht von Geburt an, sondern erlernen dieses Verständnis durch Kontakt zu menschlichen Sozialpartnern. Genauso können Wölfe (und Fledermäuse und Damhirsche…) die Bedeutung von Zeigegesten erlernen. Auch andere Fähigkeiten wie das Verstehen von Wörtern müssen erst mühsam mit Hunden trainiert werde. Es scheint also nicht angeborenes Wissen oder hohe Intelligenz zu sein, was Hunde von anderen Tieren unterscheidet. Vielmehr ist es ihre unermüdliche Bereitschaft, mit uns zusammenzuarbeiten – also ihre enge Bindung an Menschen.

Du bist mir wichtig

In den nächsten beiden Kapiteln erläutert der Autor Verhaltensstudien, die die Bedeutung des Menschen für Hunde untersuchen. Erstaunlicherweise sind Lob und Streicheln für viele Hunde wichtiger als eine Futterbelohnung – selbst für Straßenhunde ohne feste Bezugsperson. Auch suchen Hunde die Nähe sowohl eines bekannten als auch eines fremden Menschen viel stärker als (handaufgezogene) Wölfe.

 

 

Eine weitere Reihe von Studien befasst sich mit der Frage, ob Hunde Menschen in Notsituationen helfen. Beispielsweise täuscht der Besitzer einen Herzinfarkt vor oder lässt sich in eine „Falle“ einsperren und ruft seinen Hund um Hilfe. Hier sehen die Ergebnisse eher durchwachsen aus. Die meisten Hunde versuchen nicht, ihre Menschen zu „retten“ bzw. Hilfe zu holen. Der Autor merkt hierzu jedoch an, dass die Hunde möglicherweise nicht verstanden haben, was von ihnen erwartet wird. Und ich möchte noch hinzufügen, dass diese „Notsituationen“ natürlich gespielt sind. Ich traue Hunden durchaus zu, zu merken, ob beispielsweise ein Mensch tatsächlich einen Herzinfarkt erleidet oder ihn nur vortäuscht. Und nur dann einen Sinn darin sehen, zu helfen, wenn die Not echt ist.

Wie wird Liebe messbar?

Richtig spannend wird es für mich ja dann, wenn etwas gemessen werden kann. Wie sich der Herzschlag von Hund und Mensch synchronisiert, wenn sie zusammen kommen. Welche Hirnareale aktiv werden, wenn ein Hund seine geliebte Bezugsperson sieht. Wie sich der Oxitocynspiegel erhöht, wenn sich ein Hund-Mensch-Team in die Augen schaut.  (Oxitocyn ist ein Hormon, das eine wichtig zum Aufbau emotionaler Bindungen ist.) Welche Rolle die DNA von Hunden für ihre Fähigkeit zur Liebe spielt.

Das ist für mich die erstaunlichste Erkenntnis in diesem Buch: Hunde besitzen im Gegensatz zu Wölfen eine Genmutation, die dem Gen ähnelt, das bei Menschen für das sogenannt Williams-Beuren-Syndrom verantwortlich ist – und dieses Syndrom ist unter anderem gekennzeichnet durch extreme Geselligkeit sowie vorurteilsfreie und kontaktsuchende Offenheit gegenüber unbekannten Personen. Dieses Gen könnte also dazu beitragen, dass Hunde so enge Bindungen eingehen und so viel Zuneigung zeigen können – nicht nur innerhalb der eigenen Spezies, sondern auch gegenüber Menschen, Schafen und anderen Tieren.

Durch Betrachtung all dieser Studien und Untersuchungen kommt der Auto zu einem Schluss:

„Das Wesen der Hunde ist Liebe“ (Clive Wynne)

Eine Geschichte der Liebe

Im Folgenden beantwortet der Autor die Frage, wie die Liebe der Hunde entsteht – und zwar sowohl evolutionär in der Geschichte der Art als auch persönlich in der Geschichte eines Individuums. Seine Theorie erzählt von Wölfen, die in der Nähe von menschlichen Siedlungen leben und sich von Abfällen ernähren. Im Laufe der Generationen Scheu verlieren und zahmer werden. Eines Tages beginnen, Menschen auf der Jagd zu begleiten. Wodurch schließlich eine einzigartige Bindung entsteht. 

 

Hundeliebe

 

Auch in der Lebensgeschichte eines jeden Hundes muss sich Liebe zunächst entwickeln. Der Autor erklärt, welche Rolle Prägung und Erfahrung für die Bindungsfähigkeit von Hunden spielen. Und welche Verantwortung wir haben, die besten Voraussetzungen für ein gutes und liebevolles Hundeleben zu schaffen.

Liebe erwidern

Dem Thema Verantwortung ist auch das letzte Kapitel gewidmet. Denn wenn die hervorstechende Eigenschaft von Hunden ihre Liebe zu uns ist, dann haben wir die Verpflichtung, uns auch ihnen gegenüber liebevoll zu verhalten. Beispielsweise in der Erziehung. Nach wie vor liest bzw. hört man immer wieder, man müsse einem Hund klar machen, dass man selbst der „Rudelführer“ sei. Entweder durch alberne Maßnahmen wie das  Drängeln durch Türen und Essen aus Hundenäpfen oder gar durch Gewalt.

Auch mir wurden in der Hundeschule sogenannte Hausstandsregeln empfohlen, glücklicherweise nur aus der Kategorie „nervig und lächerlich“. Ich kam damals zu dem Schluss, dass dies vielleicht bei anderen Hunden notwendig sein könnte. Konnte aber fühlen, dass es nicht das war, was Kalle brauchte. In einem Blogbeitrag im Juni 2017 schrieb ich dazu: „Es mag Hunde geben, die derart auf Status aus sind, dass man ihnen auf diese Art zeigen muss, dass sie nicht die Welt beherrschen. Kalle gehört nicht dazu.“ Anscheinend ist er damit keine Ausnahme. Nach der Überzeugung des Autors ist das Wesen von Hunden ja grundsätzlich geprägt von Zuneigung. Und eben nicht vom Streben nach Status.

 

Hundebücher

 

Ich bin immer glücklich, wenn Experten die Auffassung, dass Hunde liebevolle Führung statt sinnloser Regeln brauchen, teilen und fundiert begründen. Sehr einleuchtend erklärt der Autor, dass Liebe und Dominanz einander nicht widersprechen und warum Hunde beides in ihrem Leben brauchen. In Form von Zuneigung und liebevoll durchgesetzten Entscheidungen. Zudem betont er die Wichtigkeit häufiger sozialer Kontakte für Hunde – sowohl in Privathaushalten als auch in Tierheimen. Schließlich erläutert er, wie insgesamt die Situation von Tierheimhunden verbessert werden kann. Und wie Rassehunde durch vernünftigere Zuchtauswahl gesünder werden können.

„Menschen lieben Hunde. Wenn dieses Verb für uns nur halb so viel
bedeutet wie für sie, werden wir die harte Arbeit auf uns nehmen, die nötig
ist, ihnen ein besseres Leben zu bieten und all das in Ehren zu halten, was sie
uns schenken. Hunde definieren sich über ihre Liebe. Das ist ein Beispiel,
dem wir folgen sollten.“ (Clive Wynne)

Fazit

Ich bin begeistert. Erwähnte ich das bereits? Ein Buch, das sowohl wissenschaftlich überzeugend als auch empathisch gegenüber Hunden ist und es damit sofort auf die Liste meiner Lieblingsbücher schafft. Und wenn du das, was du immer gefühlt hast, dass dein Hund dich liebt, endlich wissenschaftlich untersucht und bestätigt haben möchtest. Wenn du mehr über die faszinierende Fähigkeit von Hunden zur Liebe erfahren möchtest. Wenn du überzeugende Argumente suchst, warum auch unser Umgang mit Hunden von Liebe geprägt sein sollte. Dann wird dieses Buch auch dich begeistern.

Daten

Titel (deutsche Ausgabe): … Und wenn es doch Liebe ist? Neues zur Hund-Mensch-Beziehung.

Titel (Orginalausgabe): Dog is Love: Why and how your dog loves you.

Autor: Clive Wynne.

Copyright (deutsche Ausgabe): Kynos Verlag Dr. Dieter Fleig GmbH, Nerdlen, 2019.

Copyright (Originalausgabe): Houghton Mifflin Harcourt, Boston, USA, 2019.

 

Anmerkung: Freundlicherweise wurde mir eine Ausgabe dieses Buches vom Kynos Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist und bleibt meine eigene.

Ein Kommentar

  • Paul Czickus

    Da wird man richtig neugierig auf das Hundebuch. Echt gut geschrieben der Artikel. Da wird man als Hundelieber gleich richtig neugierig auf das Buch. Danke für den Tipp! Schöne Grüße aus Nürnberg!

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