Das Leben und so

Dreisamkeitszeiten

Neujahrsmorgen haben für mich ihre ganz eigene Magie. Die ganze Welt scheint zu schlafen, die Stille mit Händen greifbar. Und irgendwo in der Luft schwebt das Gefühl von Neubeginn, von Unberührtheit und unbegrenzten Möglichkeiten. Die ersten Schritte im neuen Jahr sind wie die ersten Spuren in einer unberührten Schneedecke. Oder in unserem Fall einer unberührten Matschgrube, denn in der Realität können wir Schnee nur auf den Bergen am Horizont sehen, während Füße und Pfoten im Schlamm versinken. Ich bewege mich in Zeitlupe, damit Mia auf wackligen Beinen Schritt halten kann. Kalle wuselt schnüffelnd herum und begrüßt das neue Jahr mit einigen wohlplatzierten Markierungen. Für die Hunde ist es Morgen wie jeder andere.

Später sitze ich am Computer. Lade 514 Bilder von meinem Handy hoch. So viele Momente des letzten Jahres eingefangen. Keinen davon bis jetzt mit euch geteilt. Dann öffne ich den Blog. Und beginne zu tippen. Fast ein Jahr ist es her, dass ich den letzten Artikel verfasst habe. Dass ich überhaupt einen längeren Text auf Deutsch geschrieben habe. Zu Beginn kommen die Worte nur zögerlich. Wo überhaupt anfangen? Vielleicht mit einer Erklärung.

 

Hallo, da sind wir wieder

 

 

Im letzten Jahr gab es nur einen einzigen Blogbeitrag. Es fehlte die Zeit, vielleicht auch ein bisschen die Motivation. Über das Leben mit schwierigem Hund zu schreiben ist nicht so einfach, wenn sich besagtes Leben plötzlich zum größten Teil in den eigenen vier Wänden abspielt. Unterbrochen nur von Spaziergängen, auf denen man jegliche Kontakte ohnehin vermeidet. Ihr-wisst-schon-was hat mich beruflich zum Glück kaum getroffen, Physik ist unabhängig von persönlichen Kontakten, alles lässt sich im Homeoffice und virtuell erledigen. Es hatte sogar sein Gutes, die Hunde und ich hatten letztes Jahr so viel Zeit zusammen wie nie zuvor. Und mit schnarchendem Hundekopf auf dem Bein lässt es sich ohnehin am besten arbeiten.

 

Schöne Orte in der Nähe entdecken

 

Trotzdem fehlt natürlich etwas, auch für die Hunde. Die Gelegenheit für Kalle, im Kontakt mit Menschen weiter Ängste abzubauen. Die sturmfreie Bude, wenn Frauchen außer Haus ist. Reisen, Erlebnisse. Wir machen das Beste daraus, suchen Abenteuer im näheren Umfeld, gehen unbekannt Wege. Im Spätsommer waren wir schließlich doch noch im Urlaub. Obwohl es nicht, wie ursprünglich geplant, nach Slowenien ging, sondern „nur“ in den Bayrischen Wald, hatten wir eine wundervolle Zeit mit großartigen Wanderungen. Ein Blogbeitrag hierzu steht noch immer auf meiner To-do-Liste.

Hinzu kommt, dass es Mia in letzter Zeit gesundheitlich nicht gut geht. Mittlerweile ist sie sechzehn, zusätzlich zu ihrer Taubheit wird auch ihre Sehkraft schlechter. Vor Kurzem ist sie am Vestibularsyndrom erkrankt, einer Störung des Gleichgewichtssinns. Auch wenn es ihr mit Medikamenten schon wieder besser geht, führt die Summe von allem zu einer zunehmenden Orientierungslosigkeit. Spaziergänge sind nur noch sehr kurz möglich, die größeren Runden sind Kalle und ich nur noch zu zweit unterwegs. Umgekehrt sind Spaziergänge mit beiden Hunden aufgrund des geringen Tempos für Kalle eher unbefriedigend und tragen wenig zu seiner Auslastung bei. Alles in allem ist der Zeitaufwand für beide Hunde in den letzten Monaten damit deutlich gestiegen.

 

Hochmoor im Bayrischen Wald

 

Also blieb der Blog auf der Strecke. Hin und wieder hatte ich sogar darüber nachgedacht, ihn ganz aufzugeben. Mit Blick auf die nach wie vor eher hohen Leserzahlen konnte ich mich dann jedoch doch nicht zu diesem Entschluss durchringen. Solange das hier noch jemand liest, möchte ich den Blog eigentlich nicht vom Netz nehmen. Und jetzt, wo ich wieder schreibe, merke ich, dass ich es durchaus vermisst habe. Andererseits macht ein Blog mit einem einzigen Beitrag pro Jahr dann doch nicht so viel Sinn. Dieses Jahr wird es anders, so oder so. Entweder entschließe ich mich, wieder etwas mehr Zeit zu investieren, oder wir werden eines Tages vielleicht doch von der Bildfläche verschwinden. Wenn es weiter geht, wird es vermutlich noch einige Veränderungen geben, neue Themen, vielleicht sogar einen neuen Namen. Also lasst euch überraschen.

 

Zuhause ist es auch schön

 

Letztes Jahr um diese Zeit habe ich von 2019 berichtet, von vielen Orten, die ich gesehen habe, von dem, was ich 2020 sehen wollte. Und dann kam es natürlich anders. Ja, 2020 war ein besonderes Jahr. Ein Jahr mit vielen Einschränkungen und Besorgnissen, aber für uns trotz allem auch ein Jahr mit vielen schönen Momenten. Ein Jahr für Zuhause, für ruhige Spaziergänge, für Dreisamkeitszeiten. Ich bin dankbar, dass wir zusammen sind, dass ich noch immer beide Hunde an meiner Seite habe.

Und sonst gibt es nicht viel zu erzählen von letztem Jahr. Ach doch, eine Sache: Kalle hat einen neuen Freund gefunden und damit die Anzahl seiner vierbeinigen Freunde verdoppelt. Das Flauschbällchen heißt Bobby, gehört zu meiner Mutter und wurde erstaunlicherweise nicht von Kalle plattgewalzt, ja nicht einmal angepflaumt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

 

Familie

 

Jetzt schauen wir also gespannt auf 2021. Noch liegt es nahezu unberührt vor uns. Und wir lassen es einfach auf uns zu kommen. Es wird viel zu erleben geben, so oder so. Entscheidungen müssen getroffen werden. Wie geht es nach der Doktorarbeit weiter? Wo werden wir dann leben? Jedenfalls sind wir bereit für neue Abenteuer, wo auch immer unser Weg uns hin führen mag.

 

4 Kommentare

  • Isabella

    Ich mag den Jahresanfang auch sehr – und das Gefühl, dass im neuen Jahr auch einfach alles irgendwie möglich ist. Im letzten Jahr war alles anders und auch wenn es für mich gerade arbeitstechnisch keine Veränderungen gab – ich sitze ja seit über vier Jahren nur noch im Homeoffice – so war doch alles andere verändert. Unsere Ferienwohnung, die uns sonst immer viel Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen erlaubt, stand den größten Teil des Jahres leer. Wobei ich gestehe, gerade der erste Lockdaon im Frühjahr hat es mir ermöglicht unsere wnderschöne Gegend mal ganz anders zu erleben. Noch nie habe ich so viele brütende Vogelpare gesehen.
    Ich bin gespannt, wie es hier weitergeht und sende leibe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    • Schätersky

      Hallo Isabella,
      es ist immer schön, wenn der Lockdown wenigstens ein paar gute Seiten hat. 🙂 Ich habe auch das Gefühl, dass ich einige Dinge in unserer nächsten Umgebung bewusster wahrgenommen habe, auch wenn hier mehr statt weniger Menschen draußen unterwegs sind.
      Liebe Grüße und ein gutes Jahr 2021!
      Nora mit Mia und Kalle

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.