Staunend

Hundeliebe: So war das eigentlich nicht geplant

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Jetzt ist es schon fünf Jahre her, dass wir uns kennengelernt haben. Und ich muss sagen: So war das eigentlich nicht geplant, Kleiner. Du warst so nicht geplant.

Vielleicht haben sich einige Leser schon gefragt, warum man eigentlich als Studentin gleich zwei Hunde hat. Davon einer, der, sagen wir mal, besonderen Förderungsbedarf hat.

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Ein kleines bisschen verrückt
Es gibt Zeitpunkte im Leben, die sind passend, um einen schwierigen Hund aufzunehmen. Wenn man ein geregeltes Leben hat, Arbeit, Zeit und ein Haus mit Garten. Wenn die Kinder kurz vor dem Erwachsenenalter stehen, bald ausziehen werden, und man Raum für eine neue Aufgabe hat. So wie meine Eltern vor fünf Jahren.

Und dann kann es eben auch anders kommen. Dinge laufen nicht immer so, wie man möchte. Nach der Trennung meiner Eltern haben sich die Umstände geändert. Mein Vater ist Vollzeit berufstätig und du bist kein Hund, der den ganzen Tag alleine bleibt. Selbst wenn es zeitlich machbar wäre: Du bist nicht der richtige Hund für meinen Vater und er nicht der richtige Mensch für dich. Meine Mutter hat Pläne, Dinge, die sie nun endlich erleben möchte, verständlicherweise. In denen ist ein Rabaukenhund nicht vorgesehen. Ihr neuer Freund hat Tinnitus. Jetzt bist du kein Dauerkläffer. Aber wenn du bellst, dann richtig. Jedes Mal so eine Art Explosion. Auch nicht optimal.

Es war nicht geplant, dass du mich so brauchen würdest, Kleiner. Es war nicht geplant, dass ich dich so brauchen würde.

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Seelenhund
Viele berichten von ihrem Seelenhund. Ich habe gehofft, dass ich meinen auch einmal finden würde. Ich hätte nur nicht gedacht, dass du es wirst. Sei mir nicht böse, aber wenn ich einen Hund für mich ausgesucht hätte, hätte ich dich nicht genommen. Klar fand ich dich schön, wunderschön. Aber zu unsicher für mich, zu ängstlich. Wie hätte ich dir Sicherheit geben können, wo ich mich doch selbst so häufig unsicher fühle? Wo ich noch gar nicht weiß, wie mein Leben aussehen wird? Ich hätte mich für deine Zwingergenossin, die Schnauzermixhündin, entschieden. Grau, zottig, unscheinbar neben dir. Aber mit einem aufgeschlossenen, fröhlichen Wesen, das ich sofort sympathisch fand. Nur habe ich eben nicht entschieden.

Aus irgendeinem Grund hast du dich für mich entschieden. In der ersten Zeit bei uns zu Hause hast du dich an mich gehängt, nicht an jemand anderen. Wenn ich dich an der Leine habe, bist du entspannter, „braver“ als bei allen anderen. Du scheinst nicht zu merken, wie unsicher ich eigentlich bin. Spiele ich dir Selbstbewusstsein vor, glaubst du mir. Allein dafür liebe ich dich.

Nein, so war das nicht geplant, Kleiner. Dass ich mein ganzes Leben um dich herum organisieren muss. Dass du mich so glücklich machst. Dass ich glaube, nie mehr auf dich verzichten zu können.

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Wohin wir gehen, gehen wir gemeinsam
Jetzt sind wir hier und wissen nicht, wie unser Leben in drei Jahren aussehen wird. Aber ich weiß, dass es unser Leben sein wird. An dem Tag, an dem ich mich zwischen dir und der Forschung entscheiden muss, werde ich mich für dich entscheiden. Denn wer wäre ich ohne dich? Einer dieser bemitleidenswerten Menschen, die ungebeten fremde Hunde streicheln. Weil kein pelziges Wesen auf ihrem Sofa liegt, seinen Kopf auf ihren Schoß legt und sie bedenkenlos liebt. Weil sie niemanden wie dich haben.

18 Comments

  • Isabella mit Damon und Cara

    Das hast Du wirklich schön geschrieben … und mir ist dabei etwas eingefallen, was sinngemäß sagt: „man bekommt nicht den Hund den man will, sondern den, den man braucht“. So ist es wohl bei euch gewesen – ungeplant und doch richtig.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

  • Melinda

    Ein schöner Text!

    Ich bin auch Studentin und meine kleine zottelige Rumänin bringt unerwartet eine ganze Menge Angst und Arbeit mit.
    Ich habe mich zuerst komplett überfordert gefühlt und viele hatten auch Skepsis.

    Aber deine Zeilen sprechen mir genau aus dem Herzen und es war irgendwie ungeplant aber doch vollkommen richtig.

    – Melinda und Suri

  • Wohlstandshund

    Wow, krasse Geschichte und ein wunderbares Bekenntnis zu Kalle. Normalerweise sind es ja eigentlich immer die Eltern, die einen rausboxen, wenn man sich übernommen hat, das Leben mal unverhofft zuschlägt und man nicht mehr weiter weiß – in dem Fall mit dem Hund. Aber bei euch war es wohl irgendwie umgekehrt. Du kannst stolz auf dich sein, finde ich.
    Liebe Grüße,
    Diana

  • Ruth

    Wunderschön, eine Liebeserklärung an einen Seelenhund. Ich wusste nach zwei Sätzen, dass diese Zeilen auch von mir kommen könnten, als Liebeserklärung für meinen geliebten Seelenhund Timmy, einen sehr besonderen Border Collie, der mit 13 Monaten aus dem Tierheim zu uns kam, verstört und verängstigt, aber wunderschön und mit einem Herzen aus Gold! Seine Vorbesitzer hatten sich etwas anderes erhofft, als er mit 6 Wochen zu ihnen kam, ihn als Erziehungsmaßnahme mit 8 Monaten kastrieren lassen, sich nicht adäquat mit hm beschäftigt und zu guter letzt aus Überforderung ins Tierheim gebracht. Wir hatten zwei Wochen zuvor einen Herzrnshund durch Krebs verloren und wollten seine Sachen spenden, sicherlich erstmal keinen neuen Hund. Doch da stand Timmy und rührte mein Herz. Zwei Wochen später zog er bei uns ein – der angebliche junge gesunde Rassehund – und mit ihm seine massive Schilddrüsenerkrankung, seine sehr schmerzhafte Wirbelsäulenanomalie und seine Angstzustände. Alle Menschen unseres Haushaltes wurden von ihm in Angstattacken gebissen. War er „normal“ uns in seinem geschützten Umfeld mit seinen geliebten Menschen, dann war er ein Seelchen, empatisch, verschmust, liebenswert – kurz ein Goldschatz. Er entwickelte sich bei uns toll, wurde auf diverse Medikamente eingestellt, die die ganze Familie nach Uhr leben ließen, bis es Anfang 2018 zu immer stärkeren Schmerz – und Angstattacken kam, die es ihm unmöglich machten, so weiterzuleben. Er verkroch sich nur noch, vertrug seine vielen verschiedenen Medikamente nicht mehr. Es war ein Jammer, den einst trotz aller Baustellen so witzigen und lebensfrohen Hund so zu sehen. Ende April haben wir den gut drei Jahre dauernden Kampf gegen seine Dämonen verloren und unseren geliebten Seelenhund mit gerade einmal vier Jahren über die Regenbogenbrücke gehen lassen müssen. Er war etwas ganz Besonderes, der uns Vieles gelehrt hat , wir werden ihn nie vergessen. Euch wünsche ich ein Happy End, wie es uns nicht vergönnt war. Genießt jeden Tag gemeinsam, als wäre es euer Letzter. Alles Gute für euch!

    • Kalle

      Das tut mir sehr leid, dass ihr euren Seelenhund schon so früh gehen lassen musstet. Irgendwie scheinen es oft die besonderen (andere Leute würden sagen: problematischen) Hunde zu sein, die uns so sehr berühren, von denen wir so viel lernen können. Danke für deine Geschichte!
      Herzliche Grüße,
      Nora mit Mia und Kalle

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