Hundetrick Do as I do
Trickdog

Hundetrick: Do as I do (Mach nach)

In diesem Beitrag möchte ich dir eine Anleitung geben, wie du deinem Hund den Trick „Do as I do“ (Mach nach) beibringen kannst. Trickdogging ist eine unsere liebsten Beschäftigungen für lange, dunkle Winterabende und verregnete Vorfrühlingstage. Über die üblichen Hundetricks wie Pfote oder Rolle sind wir dabei längst hinaus. Um Kalle geistig wirklich zu beschäftigen, muss die Aufgabe schon ein wenig anspruchsvoller sein. Deshalb hatte ich vor einiger Zeit begonnen, ihm den Trick „Do as I do“ beizubringen, bei dem er ein Verhalten, das ich vormache, nachahmen soll. Und bin daran gescheitert. So wirklich wollte die Sache nicht in das Hundeköpfchen gehen. Also wurde der Trick erstmal auf Eis gelegt. Bis wieder mal ein Winter mit vielen dunklen, langweiligen Abenden kam. Und ich dachte, dass wir das besser können und es nochmal versuchen sollten. Mit einem neuen, verbesserten Konzept. Vor allem natürlich mit einem erfolgreichen Konzept, denn wenn es nicht geklappt hätte, würde ich dir jetzt nicht davon erzählen.

Nachahmung liegt zunächst einmal in der Natur sozialer Lebewesen, insbesondere von Hunden. Wenn ich beispielsweise unterwegs auf einen Baumstamm klettere und die Hunde auffordernd ansehe, werden sie mein Verhalten natürlicherweise nachmachen. Ohne dass ich es ihnen gesondert beibringen musste. Bei dem Trick „Do as I do“ geht es jedoch darum, das der Hund das Konzept des Nachahmens versteht, auf neues Verhalten überträgt und auf Signal ausführt. Das Ziel ist also z.B. das folgende: Ich setze mich auf einen Stuhl, während der Hund zusieht. Stehe auf, gebe meinem Hund das „Mach-nach“-Signal. Der Hund setzt sich nun ebenfalls auf den Stuhl. Selbst wenn er zuvor noch nie auf einem Stuhl gesessen hat.

 

Mach nach
Natürliche Nachahmung: gemeinsam über Felsen klettern.

 

Gleich vorweg: Es ist nicht ganz einfach. Es geht hier nicht nur um Auswendiglernen, sondern um Verstehen. Das wird nicht innerhalb von zehn Übungseinheiten erledigt sein. Die Anleitung unten ist keinesfalls dazu gedacht, an einem Tag durchgearbeitet zu werden. Das Wichtigste ist, dass ihr beide Spaß am Training habt. Es kommt hier nicht auf schnellen Erfolg an, sondern auf die Freude an der gemeinsamen Beschäftigung. Vergiss bitte auch nicht, dass Lernen anstrengend für deinen Hund ist. Je nach Hund sollten Trainingseinheiten maximal fünf bis zehn Minuten lang sein, nicht mehr als drei bis vier am Tag.

Wie Hunde lernen

Um es deinem Hunde möglichst einfach zu machen, ist es wichtig zu verstehen, wie Hunde lernen. Und wie du die besten Voraussetzungen schaffst, dass dein Hund effektiv arbeiten kann.

  • Hunde lernen immer bezogen auf ihr Umfeld. Trainiere diesen Trick deshalb immer am gleichen Ort. Wenn du ein Verhalten vormachst, lasse deinen Hund immer an derselben Stelle und auf derselben Decke warten und zuschauen.
  • Die meisten Hunde sind sich ihres Körpers wenig bewusst. Viele scheinen zum Beispiel nicht einmal zu wissen, dass sie Hinterbeine haben. Dagegen haben viele Hunde ein Interesse an Gegenständen und nehmen diese deutlich bewusster wahr. Der möglicherweise entscheidende Punkt, warum mein zweiter Anlauf für diesen Trick im Gegensatz zum ersten funktioniert hat, ist, dass ich Gegenstände verwende, anstatt Übungen wie Hinlegen oder Handheben vorzumachen.
  • Hunde sind keine Meister der Logik und denken nicht abstrakt, sondern rein kontextbezogen. Um deinem Hund das Konzept „Mach nach“ zu vermitteln, musst du es situationsbezogen definieren und einheitlich bei dieser Definition bleiben. Das ist nicht so trivial, wie es vielleicht klingen mag, allein aufgrund der anatomischen Unterschiede zwischen dir und deinem Hund. Stell dir folgende Situation vor: Du berührst einen Gegenstand mit der Hand und bringst deinem Hund bei, ihn zum Nachahmen mit der Pfote zu berühren. Was soll er nun tun, wenn du den Gegenstand aufhebst? Ihn ebenfalls aufheben? Aber wenn du deine Hände zum Greifen benutzt hast, steht dein Hund vor einem Problem. Denn wenn dein Konzept war, dass deine Hand seiner Pfote entspricht, und er es wirklich verstanden hat, müsste er nun mit der Pfote greifen. Das heißt, du hast hier zwei Möglichkeiten: Entweder du bestehst auf der Entsprechung zwischen Körperteilen und hebst den Gegenstand mit den Zähnen auf. Oder du belohnst auch im ersten Fall deinen Hund, wenn er den Gegenstand, den du mit der Hand berührt hast, etwa mit der Nase berührt. Da ich wenig Interesse daran habe, am Boden zu krabbeln und Dinge, die bereits von Hunden beknabbert wurden, zwischen den Zähnen zu tragen, halte ich die zweite Möglichkeit für praktikabler. Leichter zu verstehen ist sie, denke ich, auch. 

Für mich bezieht sich also „Mach nach“ immer auf einen Gegenstand. Entscheidend ist dabei meine räumliche Position zum Gegenstand (umrunden, davor stellen, darüber springen, …) und was mit dem Gegenstand geschieht (aufheben, umwerfen, rollen, …). Dieses Konzept ist meiner Meinung nach klar definiert und auch für Hunde, die keine logischen Genies sind, verständlich.

 

Trickdogging
Stufe 1: Handtuch zum Warten und ein Gegenstand

 

So, nach der ganzen Theorie kann es jetzt endlich losgehen. Die Voraussetzungen für diesen Trick sind, dass dein Hund an einer bestimmten Stelle warten kann und mindestens fünf Tricks mit Gegenständen sicher beherrscht (je mehr, desto besser). Am besten frischst du die Signale noch einmal kurz auf, bevor du startest, um sicher zu sein, dass sie reibungslos funktionieren.

Do as I do – Schritt für Schritt

  1. Rüste dich mit zwei verschiedenen Gegenständen aus, die sich jeweils für eine andere Aktion anbieten. Bei mir sind das eine Flasche zum Umrunden und ein Buch als Pfotentarget. Der Punkt ist hier, dass Kalle kaum auf die Idee käme, die Flasche mit der Pfote zu berühren oder das Buch zu umrunden.
  2. Lege eine Decke auf den Boden und in einigem Abstand einen der beiden Gegenstände. Der andere Gegenstand bleibt außer Reichweite.
  3. Bitte deinen Hund, sich auf die Decke zu setzen. Dies wird das Startsignal der Übung. Was du tust, sobald der Hund auf der Decke sitzt, ist das, was er nachahmen soll.
  4. Führe nun die vorgesehene Aktion am Gegenstand aus (z.B. Umrunden für die Flasche).
  5. Kehre zu deinem Hund zurück. Gib ihm nun ein Signal, am besten eine Kombination aus Hör- und Sichtzeichen, das später das Signal zum Nachahmen wird. Bei mir sind das die Wörter „Mach nach“ und eine Geste, die ein Sporttrainer machen würde, um einen Spieler einzuwechseln. Achte dabei darauf, dass du nicht auf den Gegenstand zeigst und ihn nicht anschaust. Gleichzeitig solltest du natürlich deinem Hund nicht körpersprachlich den Weg zum Gegenstand versperren. Gib nun sofort im Anschluss, ohne zuvor auf eine Reaktion deines Hundes zu warten, das Signal für die entsprechende Aktion (bei mir in diesem Fall „Drumrum“ zum Umrunden).
  6. Belohne deinen Hund für das Ausführen der richtigen Aktion.
  7. Wiederhole Schritte 2-6 mit jeweils einem der Gegenstände mehrmals. Wechsle dabei die Gegenstände und damit die Aktionen in zufälliger Reihenfolge ab.
  8. Sobald du den Eindruck hast, dass dein Hund eine Idee davon bekommen hat, worum es geht, kannst du nach dem „Mach nach“-Signal abwarten. Führt er nun die gewünschte Aktion ohne weiteres Signal durch, kannst du dieses zweite Signal ab jetzt weglassen. Andernfalls kehre zu Schritt 7 zurück. 
  9. Übe das „Mach nach“-Signal so lange, bis es mit den beiden Gegenständen sicher klappt. Nach wie vor sollte in jedem Durchgang nur ein Gegenstand in Reichweite sein.
  10. Nimm einen dritten Gegenstand mit eindeutiger, von den beiden anderen eindeutig verschiedener Aktion hinzu und wiederhole Schritte 1-9 mit drei Gegenständen. Bei mir sind das eine Kiste und zwei identische Socken mit der Aktion Aufräumen.
  11. Nun wird es spannend. Platziere zwei der drei Gegenstände in gleicher Entfernung von der Decke. Setze deinen Hund wie gewohnt auf die Decke, mache eine Aktion an einem der beiden Gegenstände vor und gib deinem Hund das „Mach nach“-Signal. Führt er die richtige Aktion aus? Glückwunsch, belohne in ausgiebig! Falls er noch nicht versteht, was er tun soll, kannst du ihm nochmal mit dem Signal für die jeweilige Aktion helfen. Läuft er zum falschen Gegenstand, ignoriere dies und versuche es einfach erneut.

     

    Hundetrick: Mach nach
    Entscheidung zwischen zwei Gegenständen.
  12. Das Ganze wiederholst du jetzt sehr häufig mit verschiedenen Kombinationen von zwei Gegenständen und unterschiedlichen Aktionen. So lange, bis dein Hund die Aktion, die du vormachst, sicher nachmacht.
  13. Und es wird noch spannender! Suche dir einen ganz anderen Gegenstand, an dem zwei Aktionen gut durchführbar sind. Bei mir sind das ein Stuhl für Umrunden und Berühren von vorne (wie erwähnt ist mir egal, ob zum Berühren die Pfote oder Schnauze benutzt wird). Wiederhole Schritt 11 nun mit zwei unterschiedlichen Aktionen am selben Gegenstand.
  14. Übe dies, bis es sicher funktioniert.
  15. Nach und nach kannst du beliebig viele Gegenstände mit verschiedenen Aktionen dazu nehmen. Ein langes Kissen: umrunden, berühren oder darüber springen? Oder gar rückwärts umrunden? Aufräumen mit Auswahl zwischen zwei Kisten. Die halboffene Tür: öffnen oder schließen? Ein Tuch: berühren oder aufräumen? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

     

    Do as I do
    Für Fortgeschrittene: Über das Kissen springen oder es umrunden.
  16. Üben, üben, üben.Schaffst du es, dass dein Hund ein Verhalten, das ihm völlig neu ist, durch Nachahmung lernt?
  17. Schon wieder Langeweile? Da geht noch mehr! Wie wäre es, wenn du mehrere Aktionen hintereinander vormachst und deinen Hund zum Nachahmen aufforderst? Kalle schafft es mittlerweile, zwei Aktionen in der richtigen Reihenfolge durchzuführen, sofern die Reihenfolge sinnvoll erscheint. Wir arbeiten noch an Ketten mit willkürlicher Reihenfolge. Und natürlich stellt sich jetzt die Frage: Wo ist die Grenze? Wie viel kann ein Hund sich auf einmal merken? Es bleibt spannend… 🙂

Tipps

Zum Schluss noch ein paar Tipps:

  1. Achte auf deine Körpersprache! Gerade in der ersten Phase mit zwei verschiedenen Gegenständen passiert es leicht, dass man unbewusst durch Körperhaltung und Blickrichtung verrät, zu welchem Gegenstand der Hund laufen soll. Versuche, körpersprachlich so neutral wie möglich zu bleiben, damit dein Hund nicht „schummeln“ kann.
  2. Schaue deinen Hund an, während du eine Aktivität vormachst. Dadurch merkt er, dass die Sache ihn betrifft und nicht nur eines der vielen seltsamen Dinge ist, die Zweibeiner tagtäglich tun.
  3. Die Belohnung sollte so attraktiv sein, dass dein Hund gerne dafür arbeitet. Gleichzeitig sollte er aber nicht so aus dem Häuschen geraten, dass er nicht mehr nachdenkt, sondern voreilig nach dem Zufallsprinzip handelt. Das heißt, die Belohnung sollte individuell auf den jeweiligen Hund abgestimmt sein.
  4. Mit „sicher“ meine ich nicht eine Erfolgsquote von 100%, das wäre unrealistisch. Wenn dein Hund in etwa 90% der Versuche richtig liegt, kannst du ruhig zum nächsten Schritt übergehen.
  5. Hin und wieder kam es vor, dass Kalle nicht auf das „Mach nach“-Signal reagiert hat, nachdem es eigentlich schon etabliert war. Dann habe ich ihm das Signal für die jeweilige Aktion gegeben, ihn für das Ausführen aber nur verbal gelobt. Alternativ kann man für solche Situationen auch ein unattraktiveres Futter als „Trostpreis“ wählen. Reagiert er sofort richtig auf das „Mach nach“-Signal, gibt es stattdessen den „Hauptgewinn“ (Lob + leckeres Futter + Streicheln). Reagiert er falsch, gibt es keine Belohnung.
  6. Denke daran, dass dein Hund hier einiges leistet. Lobe ihn viel, sei nicht enttäuscht, wenn er mal keine Fortschritte macht, und freue dich mit ihm, wenn er etwas verstanden hat.

Jetzt bin ich gespannt. Hast du schon mal versucht, deinem Hund „Do as I do“ beizubringen? Berichte mir gerne von deinen Erfahrungen. Und wenn du beschließt, diese Trickanleitung auszuprobieren, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen. Hast du den Eindruck, dass dein Hund das Konzept des Nachahmens versteht?

 

Literatur: Die Idee für diesen Trick stammt aus „Die Hunde-Uni“ von Viviane Theby (Kynos 2009).

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