Das Leben und so

Oktober in Kürze

Gute Tat des Monats: Leine festgehalten. Obwohl die Versuchung groß war, ein kleines bisschen nachzugeben. Stimmungsübertragung funktioniert ja in beide Richtungen. Und dieser eine Hund regt Kalle ganz besonders auf. Mich regen die dazugehörigen Menschen auf, weil sie so gar keine Einsicht, kein Verständnis zeigen. Dieser Hund läuft immer frei, hört kein bisschen und provoziert Kalle mit Absicht, immer knapp außerhalb der Reichweite der Leine bleibend. Aber wenn ich ein kleines bisschen nachgeben würde…

Böse Tat des Monats: Mich über dummen Kommentar geärgert, statt ihn zu ignorieren. („Warum lassen Sie den nicht einfach mal von der Leine?“) Muss an meiner emotionalen Kontrolle arbeiten. Sicher hat das Schicksal mir Kalle geschickt, damit ich zu einer buddhistischen Ruhe finde. Wenn ich mich über jemanden ärgere, knurrt er denjenigen an. Zumindest muss ich dann nicht mehr erklären. „Genau deshalb“ reicht.

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Und noch eine böse Tat: Versucht, Mia für Halloween zu verkleiden. Äh, ja.
Rätsel des Monats: Interpretiere ich Kalles Signale falsch? Mirko Tomasini in Tiere suchen ein Zuhause. (Die Sendung findet ihr hier.) Freut Kalle sich bei der Begrüßung überhaupt nicht, mich zu sehen? Drückt er seinen Kopf wirklich deshalb in meinen Bauch, um ihn niedriger zu halten als meinen? (Meine Nase steckt in seinem Fell.) Das fände ich sehr traurig. Aber er drückt sich doch an mich? Legt er sich nicht deshalb auf den Rücken, damit ich seinen Bauch kraulen kann, sondern um Kontakt aus dem Weg zu gehen? Aber er schaut mir doch in die Augen? Er zieht meine Hand mit der Pfote zu sich! Drückt sich die Qualität einer Beziehung wirklich so sehr im Spiel aus? Kalle ist ziemlich passiv beim Spielen (egal ob mit Mia oder mir). Ich kann zwar eine Weile mit ihm spielen, aber so ganz ungezwungen ist es nie. Beim Mantrailing habe ich mal einen Hund getroffen, mit dem ich auf Anhieb wundervoll spielen konnte. („Diese kindliche Ausgelassenheit fehlt uns einfach“, kommentierte eine Teilnehmerin. Tja, schade für euch!) Wir waren uns zwar sympathisch – aber ich hatte sicher keine bessere Beziehung zu ihm als zu meinen eigenen Hunden. Ich beschließe, trotz allem meiner Intuition zu vertrauen und anzunehmen, dass wir eine gute Beziehung haben. Und diesen Bindungstest hätten wir in jedem Fall bestanden. Keiner meiner Hunde würde mit einem Fremden mitgehen.

Erkenntnis des Monats: Gegenkonditionierung ist eine tolle Sache. Man sollte es nur nicht übertreiben. Sonst kann man nicht mehr saugen, ohne dass die Hunde kommen und futtern wollen.

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Dummheit des Monats: Nicht gut genug aufgepasst. Hund kam von hinten auf Kalle zugerannt, Kalle nicht an der Leine, entgegengerannt und den anderen angebellt. Anderer hat verständlicherweise zurück gemeckert. Als ich ein paar Sekunden später ankam und mich dazwischen stellte, wurde ich von beiden Hunden begrüßt, als hätte ich gerade die Welt gerettet. Dabei waren sie doch erst wegen mir in diese Situation gekommen. Ziemlich schlechtes Gewissen.

Verrücktheit des Monats: Meine Hunde verstehen ein Prinzip, das vielen Menschen unbegreiflich ist. Stellt euch folgenden Versuchsaufbau vor: Ein verschlossener Futterbehälter, ein Hund steht davor. Wenn der Hund nun möchte, dass ich den Behälter öffne, weiß er, dass er aus dem Weg gehen muss. Sonst komme ich da nicht hin. Anders bei vielen Menschen. Sobald im Bus alle Sitzplätze belegt sind, bleiben die Leute in der Tür stehen. Das ist schade, weil dann niemand mehr einsteigen und der Bus nicht weiterfahren kann. Bitte ich darum, doch ein bisschen weiter in den Gang zu gehen, schaut man mich erstaunt an, bevor brav hineingerückt wird.

Begegnung des Monats: Der Hund hat die traurigsten Augen, die ich je gesehen habe. Sein Frauchen meckert ununterbrochen an ihm herum, obwohl er nie etwas tut, was das rechtfertigen könnte. Wenn wir uns begegnen, halte ich seinen Blick fest. Ich möchte, dass er weiß, dass jemand ihn sieht. Neulich kam er zu mir und hat mit der Schnauze meine Hand berührt.

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Glücksmoment des Monats: Über abgegraste Wiesen rennen. Die Welt ist wieder weit, die Luft kühl und Kalle schafft es mittlerweile tatsächlich, die Schafsköttel liegen zu lassen.

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