Das Leben und so,  Staunend

Our Morning Glory Story

Durchdringend erhebt sich der Ruf des Eichelhähers in diesem Konzert.  Melodisch das Zwitschern der Amseln, fröhlich hell das Zirpen der Meisen, untermalt vom soliden Gurren der Tauben. Klar und süß ist die Luft, unter Kühle und Frost ist die erdige Lebendigkeit des Frühlings schon stark präsent. Warm sind die ersten Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht, wärmer noch der kleine Hundekörper, der sich sacht gegen mein Bein drückt. Unser Atem geht im Gleichklang. Es ist einer dieser vollkommen normalen Morgende, die normal vollkommen sind. What’s your story, morning glory, denke ich. Was für eine schöne Idee von Stephie für eine Blogparade. Und in meinem Kopf beginnt sich ein Text zu formen.

Also möchte ich dich heute mitnehmen. Mitnehmen auf einen ganz normalen Morgenspaziergang, auf unsere Lieblingsrunde, an einem Tag von vielen. Weil jeder einzelne dieser Tage etwas Besonderes ist.

Wie jeden Spaziergang beginnen wir auch diesen gemeinsam. Verbunden durch die Leinen, gehen wir ein Stück den Weg entlang, die Wiese hoch, noch ein Stück Weg.

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Schließlich habe ich das Gefühl, dass wir gut aufeinander eingestimmt sind. Ich löse Mias Leine, lasse Kalles Schleppleine lang. Noch darf er nicht frei laufen, hier sind einfach zu viele Hunde unterwegs. Auf diesem Abschnitt trödeln wir gerne, begrüßen jeden Grashalm einzeln, stecken den Kopf in Mäuselöcher, machen ein paar Fotos. Eine Gruppe von Hunden kommt uns entgegen, Menschen winken und drehen dann ab. Verständlicherweise wollen sie uns nicht begegnen.

Nach einer kleinen Steigung haben wir einen guten Überblick über den weiteren Weg, niemand ist in der Nähe. So wird auch Kalle abgeleint. Links auf der Weide flauschige Schäfchen, rechts ein Bach, von Schilf umgeben. Weiterhin achte ich darauf, dass keine Unruhe aufkommt, sich niemand entfernt. Die Hunde laufen entspannt hinter mir her, schnüffeln viel, markieren, schließen wieder zu mir auch.

Auf der nächsten Kreuzung steht ein älterer Herr mit Schäferhund. Letzterer wirkt jung, aufgeschlossen und verspielt. Also genau das, was Kalle nicht ausstehen kann. Wir machen einen Bogen, so groß wir möglich. Keine Angst, der sei ganz lieb, erklärt mir der Besitzer. Ich spare mir die Antwort.

Wir lassen die Kreuzung hinter uns, nehmen einen schmalen Pfad, der uns den Hang hinaufführt, sich dann durch Wiesen und Büsche schlängelt. Stille umgibt uns.

Und endlich sind wir da.

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An unserem Lieblingsort, wir haben die Wiesen ganz für uns. Und endlich wird gerannt. Leckerchen fliegen, dann der Handschuh. Ein paar Tricks, eine Runde gemeinsames Toben. Schließlich lassen wir uns ins Gras fallen, atmen. Lauschen.

Durchdringend erhebt sich der Ruf des Eichelhähers in diesem Konzert.

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Gelöst machen wir uns auf den Rückweg. Die Stimmung ist heiter, die Verbundenheit stark. Ich brauche keine Worte, um die Hunde zu lenken. In diesem Zustand kann ich zulassen, dass Kalle sich entfernt. Er bleibt mit mir in Kontakt, versinkt nicht in seiner Welt, überdreht nicht. Dass er sich sich begeistert wälzt und anschließend riecht wie ein toter Maulwurf, trübt die Idylle nur minimal. Bevor wir wieder auf den stärker frequentierten Weg kommen, bleibt er von alleine stehen und lässt sich anleinen.

Wieder kommt uns eine Gruppe Spaziergängerinnen mit Hunden entgegen. Diesmal wollen sie an uns vorbei, glücklicherweise sind alle angeleint. Kalle zeigt an, wird belohnt, im Schutz meiner Beine geht es an den anderen vorbei. Ich summe beruhigend. Er bleibt ruhig. Eine der Spaziergängerinnen grüßt mich. Wissend, dass es ein Fehler sein könnte, schaue ich sie für eine halbe Sekunde an und erwidere den Gruß. Kalle explodiert. Ich konzentriere mich wieder, schiebe ihn zurück. Nach einem letzten Brummeln geht es weiter, den Abhang hinunter, dann links auf einen Wiesenweg.

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Auf dem letzten Stück, nun ein breiter, befestigter Weg, trödeln wir nicht mehr. Eine leise Stimme in meinem Hinterkopf erinnert mich daran, dass die Arbeit sich nicht von alleine erledigt. Nicht ganz so leise Stimmen in unseren Bäuchen erinnern uns, dass Zeit für unser Frühstück ist. Also kommen wir schnell voran.

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Und so endet schließlich unser Spaziergang. Bis zum nächsten Mal.

0 Comments

  • Isabella

    Das sieht wirklich nach einer schönen Morgenrunde aus – und es wirkt sehr entspannt. Besonders schön finde ich Deine Formuliereungen … man spürt das Alltägliche und doch das Besondere – und die Verbundenheit. Es hat freude gemacht euch zu begleiten.
    So ähnlich ist es morgens bei uns auch – nur ohne andere Menschen und bei uns müssen die Hunde an der Leine bleiben 🙂 Da wir morgens immer sehr früh unterwegs sind gibt es bei uns leider erst so in 4 – 6 Wochen die Möglichkeit ein paar Bilder zu machen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  • Stephie von The Pell-Mell Pack

    Hallo Nora,
    toll eure Runde! Ich bewundere ja immer wieder die himmlischen Feldwege und Wiesen auf euren Fotos. So etwas fehlt bei uns völlig. Und gerne wäre ich mal mit euch unterwegs um die Verbundenheit zwischen euch live zu erleben. Das fände ich spannend.
    Vielen Dank, dass uns mit auf deinen morgendlichen Spaziergang genommen hast.
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

    • Schätersky und Frauchen

      Liebe Stephie,
      das mit der Verbundenheit funktioniert nur deshalb so gut, weil wenig anderes in der Nähe ist. Würde ein Reh auftauchen, wären sowohl Verbundenheit als auch Hund sehr schnell weg, fürchte ich. 😉 Und ich würde euch ja auch gerne mal kennen lernen, vielleicht klappt das ja irgendwann mal. (Obwohl ich mich dann sicher furchtbar blamieren würde, weil die Hunde sich sicher genau diesen Tag aussuchen würden, um sich so überhaupt nicht für mich zu interessieren – solche Tage haben wir nämlich auch hin und wieder.)
      Herzliche Grüße,
      Nora mit Mia und Kalle

  • Socke- nHalterin

    Was für ein wunderbarer Text zu den Bildern Eurer Gassirunde.
    Solche Runden gibt es bei uns leider nur an freien Tagen, vornehmlich den Wochenenden. Unter der Woche ist es stockdunkel, noch eisig kalt und es muss recht schnell gehen. Es ist schön, wenn man den Tag so beginnen kann, jeden Grashalm begrüßen und den Lieblingsort aufsuchen kann.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Schätersky und Frauchen

      Diese Freiheit genieße ich tatsächlich sehr – und arbeite dafür gerne abends länger (natürlich unterbrochen von einem weiteren langen Spaziergang, Training und Fütterung für die Hunde). 🙂

      Liebe Grüße,
      Nora mit Mia und Kalle

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