Das Leben und so

Spannend. Nur bitte nicht zu spannend

Das Thema der Blogparade, zu der Julia von miDoggy diesen Monat aufgerufen hat, lautet „Gassigehen – so findet euer Hund es wieder spannend“.

Nun ist Kalle kein Hund, bei dem Langeweile aufkommt. Für ihn ist jedes Rascheln ein möglicher Hinweis auf einen versteckten Attentäter, jede Bewegung eine potentielle Beute. Leider ist Kalle auch kein Hund, der auf Spaziergängen einfach seinen Interessen nachgehen kann. Denn der Attentäter ist möglicherweise ein Spaziergänger, das nicht angebellt werden möchte, und die Beute ein Radfahrer, der nicht gejagt werden möchte. Einfach Leine ab und los wie bei Mia: geht nicht. Also stand ich bald vor der Frage, wie ich Kalle auf Spaziergängen sowohl Auslastung als auch Entspannung biete und gleichzeitig meine Mitmenschen und –Tiere nicht belästige oder ängstige. Dazu unterteile ich Spaziergänge in verschiedene Kategorien, aus denen ich täglich zwei auswähle.

  1. Streuobstwiese

Diese Variante macht den größten Anteil unserer Spaziergänge aus, die Umgebung ist uns am liebsten. Schmale Wege führen durch Wiesen und Büsche, hier sind wenige Menschen unterwegs. Wir kennen jede Kreuzung, wissen um die Luftströmungen und die Akustik an jeder Stelle. Unwahrscheinlich, dass uns jemand überrascht. Kalle darf frei laufen, bleibt aber aufgrund der Unübersichtlichkeit der Wege meistens hinter mir.

Typ 1A: Einfach so

Wir gehen. Die Hunde schnüffeln. Wir achten auf unsere Umgebung, um rechtzeitig reagieren zu können, falls sich jemand nähert. Abhängig von der Witterung machen wir Pause. Sitzen träumend im Gras. Rennen über Wiesen. Selbstverständlich nachdem wir sie kontrolliert haben. Hier darf Kalle voraus laufen. Bevor wir wieder auf den Weg kommen, wartet er auf mich. Wir reihen uns wieder auf und kommen zur Ruhe. Dann geht es weiter.

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Ich mag diese Landschaft
Typ 1B: Beschäftigung

Ähnlich Typ 1A. Statt aber weit zu laufen, suchen wir uns eine gemähte Wiese. Wir trainieren Tricks. Umrunden bietet sich häufig an, Fußarbeit und Arbeit auf Distanz. Oder ich werfe Leckerchen und lasse die Hunde suchen. Oder ich lege Fährten. Oder verstecke Spielzeug. Die Hunde dürfen anwechslend suchen, der jeweils andere wartet. Impulskontrolle und so. Danach spielen Kalle und ich. Ohne Spielzeug, nur wir beide. Dann fallen wir ins Gras und ruhen uns aus.

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Gemeinsame Pause
  1. Wald

Im Wald sind mehr Leute unterwegs, außerdem gibt es Rehe. Die Übersichtlichkeit ist durch erhöhte Baumdichte stark eingeschränkt. Nicht allzu erstaunlich. Kalle bleibt an der Schleppleine.

Typ 2A: Normaler Weg

Dieser Typ kommt eigentlich nur bei starkem Regen in Frage. Ansonsten wird man ständig von irgendwelchen Tutnixen überrannt oder Radfahrern überfahren. Wenn es aber regnet, hält sich der Verkehr in Grenzen und Typ 2A ist der Spaziergang mit den trockensten Füßen. Sonst passiert nichts Spannendes.

Typ 2B: Abenteuerweg

Deutlich interessanter: Wir verlassen die breiten Wege und begeben uns auf Pfade, die eigentlich zum Holzfällen gedacht waren. Oder auf sogenannte Reitwege, die so zugewachsen sind, dass Reiten dort kein Vergnügen ist. Zu Fuß ist es aber okay. Die Hunde haben die Nasen am Boden und saugen die Wildgerüche ein. Für jede Rehsichtung stopfe ich sie mit Futter voll. Dann rennen wir in die entgegengesetzte Richtung. Baumstämme laden zum Springen und Balancieren ein. Äste-Mikado trainiert die Koordination. Auf Baumstümpfen lässt es sich gut posieren. Moos ist weich und fluffig und wunderbar wälzgeeignet. Nach negativer Rehkontrolle kann man auch mal auf einer Lichtung ohne Leine rennen.

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Klettern
  1. Felder

Landschaftlich ist es nicht ganz so reizvoll. Dafür kann man hier sehr weit schauen. Keine überraschenden Begegnungen. Man kann allen Tutnixen aus dem Weg gehen. Ein Problem sind die Hasen, die sich in Senken verstecken und plötzlich aufspringen können. Kalles Lieblingsbeute. Er bleibt angeleint. Keine Ausnahmen.

Typ 3A: Schleppleine

Hier nutzt Kalle die zehn Meter Leine voll aus. Schnüffeln, rennen, warten, neben mir laufen, abwechselnd. Ich werfe Leckerchen oder „verliere“ Gegenstände und schicke die Hunde zum Suchen zurück. Wir trainieren an Bewegungsreizen mit Hilfe der weit entfernten Straße, auf der Autos vorbeiflitzen. Nicht losstürmen, kommst eh nicht weit dank Leine. Mich anschauen und Leckerlie jagen bringt mehr Spaß. Und zur Zeit ist besonders Strohballenhopsen sehr angesagt. Ansonsten einfach mal eine Weile laufen und nur Hund sein.

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Hier sehen wir die eigentlich nicht existente Ausnahme. Aber echt nur bei Strohballen.
Typ 3B: Fahrrad

Mit Kalle fahre ich sehr gerne Rad. Für Mias alte Gelenke ist das leider nichts mehr. Ohne Leine würde er schnell überdrehen. Wenn ich aber mit Leine ein gleichmäßiges Tempo vorgebe, findet er schnell seinen Rhythmus und läuft ganz entspannt. Reine körperliche Bewegung ohne geistige Anstrengung tut auch mal gut.

 

  1. Entdeckungen

Ein Spezialfall ist Kategorie 4, die Entdeckungsreisen. Wir fahren mit dem Auto an verschiedene Stellen und erforschen Neuland. Kombination aus Elementen der anderen Kategorien. Ein ganz eigener Zauber, der im Unbekannten liegt.

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Pause auf einer Wanderung
So versuche ich, unsere Spaziergänge abwechslungsreich und spannend zu gestalten, und gleichzeitig Kalle die Struktur zu geben, die er braucht. Zu viel Spannung ist dann auch nicht gut, sonst neigt er zur Überdrehtheit.

Ich kann mich nicht beklagen, dass Kalle mich nicht spannend genug fände. (Mia findet vor allem die Leckerchen spannend, die ich einstecken habe. Ist ja auch okay.) Eher im Gegenteil. Er klebt sehr an mir und manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es ihn in seiner Freiheit einschränkt. Aber das ist einfach seine Persönlichkeit. Wenn er es für seinen Auftrag hält, mich zu beschützen, dann tut er das auch. Und das geht nicht, wenn er sich von mir entfernt. Ich sehe es ähnlich, nur umgekehrt. Denn meiner Meinung nach ist er hier derjenige, auf den man aufpassen muss.

0 Kommentare

  • Stephie von The Pell-Mell Pack

    Kategorie 1 macht mich neidisch. So etwas haben wir hier leider nicht. Wir haben überwiegend Kategorie 2 und bei Lunas Vorliebe Menschen, Wild und alles schnelle zu jagen ist das etwas anstrengend. Kategorie 3 ist bei uns leider ein no-go. Da werden unsere Bauern richtig böse. 😉
    Dafür haben wir noch meine Traumkategorie Kiessee. Wasser, Dünen und keine Menschen. Nur ab und an suizidale Hasen, die jagende Hunde nicht gewöhnt sind und keinen Fluchtinstinkt haben.
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

    • Schätersky und Frauchen

      Vor allem um das Wasser beneide ich dich auch. 🙂 Wir haben hier leider keine Möglichkeit, in mehr als einem Bach zu baden. Und keine Menschen klingt toll. Da würden uns auch die suizidalen Hasen nicht stören. Solange sie nicht weglaufen, werden sie auch nicht gejagt.
      Übrigens laufen wir nicht auf den Feldern. Dazwischen gibt es Wege. 🙂 Bislang hat sich daran noch kein Bauer gestört. Einmal wurde ich gefragt, ob die da auch nicht hinmachen. Aber als ich wahrheitsgemäß nein sagte (ich gehe immer zuerst auf eine Wiese mit ihnen), schien es aber okay zu sein.
      Herzliche Grüße,
      Nora mit Mia und Kalle

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