Trickdog

Trick: Hilf mir

Ich knie am Boden, die Hände am Rücken gefesselt. „Hilf mir“, flüstere ich. Das lässt sich das Hündchen nicht zweimal sagen. Er rennt zu mir, um mich herum. Mehr oder weniger vorsichtig zieht er meine Hände in Position. Ich fühle, wie sich eine Reihe messerscharfer Zähne zwischen meine Handgelenke schiebt. Höre genüssliches Nagen. Dann bin ich plötzlich frei. Wir freuen uns, was das Zeug hält.

Zu Halloween hat Anika von den Warnowtatzen zur Blogparade „Trick or Treat“ aufgerufen. Ich möchte mich hier mit einem Trick beteiligen, den ich besonders mag. Witzig und möglicherweise irgendwann einmal nützlich. Falls wir überfallen werden oder bei einem Film mitspielen oder so.

Bei dem Trick „Hilf mir“ nagt dein Hund „Fesseln“ an deinen Händen durch. Ich verwende dazu Baumwollstreifen, die ich aus alten T-Shirts schneide. Kunststoffe, die schneidende Fasern bilden, sind aufgrund der Verletzungsgefahr nicht geeignet. Zu Beginn sollten die Streifen sehr schmal sein, bei nagefreudigen Hunden kannst du sie später beliebig verbreitern. Je lieber dein Hund auf Dingen herumkaut, desto einfacher wird ihm dieser Trick fallen. Kauunlustige Hunde möchten ihn vielleicht überhaupt nicht lernen oder nur mit ganz dünnen Streifen. Sollte dein Hund gar keinen Stoff durchkauen wollen, kannst du auch Zeitungspapier nehmen, das er zerreißen kann.

Es folgt meine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Sobald ein Schritt sicher funktioniert, kannst du zum nächsten übergehen.

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[Anmerkung zu den Fotos: Für diesen Trick braucht man beide Hände. Fotografieren war also nicht ganz einfach. Wir haben es immerhin geschafft, ein paar mehr oder weniger verwackelte Aufnahmen zu machen, indem Kalle ein Ende des Stoffstreifens mit den Pfoten festgehalten hat, sodass ich eine Hand für meine Handykamera hatte. Deshalb liegt er auf den Bildern. Eigentlich haben wir aber im Stehen geübt und das würde ich auch so empfehlen. Mit zusammengebundenen Händen konnte ich aber leider keine Fotos mehr machen…]

  1. Setzte dich auf einen Stuhl oder auf den Boden. Halte den Stoffstreifen mit beiden Händen auf Nasenhöhe des Hundes quer vor dich. Belohne jedes Interesse, das er daran zeigt.
  2. Belohne jede Berührung des Streifens mit der Schnauze.
  3. Belohne jedes Öffnen der Schnauze beim Berühren, auch wenn es anfangs nur ganz wenig ist.
  4. Nun belohnst du nur noch, wenn sich der Streifen zwischen den Hundezähnen befindet.
  5. Als nächstes soll dein Hund verstehen, dass er kauen soll. Das erfordert möglicherweise ein bisschen Geduld auf beiden Seiten. Lass dich an dieser Stelle nicht auf Zerrspiele ein. Beobachte deinen Hund genau: Jedes minimale Öffnen und Schließen des Kiefers ist der Ansatz eines Kauens und sollte belohnt werden. Dadurch kommst du dem echten Kauen immer näher.IMG_20171031_094806[1]
  6. Sobald dein Hund das Prinzip verstanden hat, kannst du die Belohnung in kleinen Schritten immer weiter hinauszögern.
  7. Schließlich ist es so weit: Der Streifen ist durch. Das gibt ein großes Freudenfest.
  8. Lasse deinen Hund ein paar Streifen durchnagen. Wenn du möchtest, kannst du die Breite schrittweise vergrößern. Achte darauf, dass die Belohnung am Ende attraktiv genug ist.
  9. Variiere die Höhe, auf der du den Streifen hältst. Dein Hund darf ihn in die Position ziehen, die ihm am angenehmsten ist.
  10. Binde nun beide Enden des Streifens um jeweils ein Handgelenk. Zunächst sollte genug Platz sein, dass die Hundeschnauze bequem zwischen deine Handgelenke passt.
  11. Verringere nach und nach die Länge des Streifens zwischen deinen Händen. Dabei solltest du natürlich darauf achten, dass deine Hände nicht zwischen die Zähne geraten…IMG_20171031_094842[1]
  12. Sobald der gewünschte Abstand erreicht ist, musst du das Ganze nur noch von vorne nach hinten verlagern. Gehe dazu alle Schritte noch einmal durch, nur dass du den Stoffstreifen nun hinter deinem Rücken hältst. Je nachdem wie schnell dein Hund das Gelernte überträgt, kannst du möglicherweise den ein oder anderen Schritt abkürzen. Manche Hunde sind zunächst verwirrt, wenn sie ihrem Menschen nicht wie gewohnt gegenüberstehen. In diesem Fall kannst du auch erstmal ein paar einfache Tricks mit dem Rücken zu deinem Hund üben. Und noch ein Hinweis: Bitte achte darauf, dass du jeden Knoten, den du produzierst, auch selbst wieder öffnen kannst, falls dein Hund sich plötzlich weigert…
  13. Führe nun noch ein Signal ein und lasse deinen Hund schrittweise aus einiger Entfernung starten, sodass er erst um dich herumlaufen muss. Und schon habt ihr es geschafft!

[Noch eine Nebenbemerkung: Auch für den Oktober wird es natürlich einen Monatsrückblick geben. Damit sich hier die Texte nicht so häufen, wird er aber erst in ein paar Tagen erscheinen.]

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