Wandern mit Hund

Von Bergen, Tobeln und Seen: Wandern mit Hund im Allgäu

Deshalb sind Hunde besser als Kinder, denke ich mir, als ich nach über sieben Stunden auf der Autobahn und nicht enden wollenden Staus den Kofferraum öffne und mir schwanzwedelnde, erwartungsvolle Freude entgegenschlägt. Und niemand hat unterwegs gefragt, wann wir endlich da sind. Auch meine eigene Stimmung hebt sich. Ich freue mich auf eine Woche Urlaub mit den Hunden im Allgäu, nur wir drei, wandern, baden, lesen und schreiben. Das Wetter soll sonnig und heiß werden. Ich plane schon Touren, die möglichst Zugänge zu Wasser beinhalten und suche nach Seen, an denen Hunde erlaubt sind.

 

Tag 1: Tiefenbach (Oberstdorf) – Sulzburg – Judenkirche – Schönhaldenkopf (ca. 3 Stunden)

Wie das am ersten Tag so ist, muss ich erstmal einkaufen. Nicht, dass ich verhungere. Deshalb ist es fast Mittag, als wir endlich zur ersten Wanderung aufbrechen. Außerdem ist es bereits sehr heiß, deshalb entscheide ich mich für eine nicht zu lange, schattige Tour. Von Tiefenbach Räppele aus steigen wir auf einem schmalen, wurzeligen Pfad das Bergchen Sulzburg hinauf. Genießen die Aussicht. Dann wandern wir den Weg wieder ein Stück zurück und biegen Richtung Wasach ab. Vom Dorf aus geht es auf einem Pfad durch den Wald hinauf zur Judenkirche. Sobald sie über Steine und Wurzeln klettern dürfen, sind die Hunde in ihrem Element und leben trotz Alter (Mia) bzw. Hitzeempfindlichkeit (Kalle) auf. An der Judenkirche, einem imposanten Felsbogen, machen wir die erste Rast.

 

 

Es folgt ein kurzer, recht steiler Abstieg, bis wir auf einem breiteren Weg landen, der uns nach Jägersberg führt. Von dort aus laufen wir einen kleinen, schönen und schattigen Rundweg über den Schönhaldenkopf. Zurück in Jägersberg entscheide ich mich dafür, denselben Rückweg durch den Wald zu nehmen, statt den breiten, sonnigeren Weg durch Kreben. Wir atmen die warme Sonne-auf-Nadelholz-Luft und sind im Urlaub angekommen.

 

Tag 2: Blaichach (Sonthofen) – Mittagberg – Bärenkopf – Gunzesried (ca. 4 Stunden)

Für die erste „richtige“ Bergtour brechen Kalle und ich früh auf, um den immerhin einigermaßen kühlen Morgen für den Aufstieg zu nutzen. Leider finden wir vom Parkplatz aus den Abgang des Weges nicht. Nach einigem Suchen landen wir schließlich auf einem Wanderweg. Nur ist es nicht der, den ich ursprünglich geplant hatte. Auch egal, wir wollen jetzt endlich los. Selbst wenn wir das erste Stück auf einem Sträßchen wandern müssen. Und nicht zum Gipfel des Mittagberges gelangen werden. Zum Glück geht der Weg bald von der Straße ab und führt über eine Wiese bergauf. Gegen neun Uhr wird es bereits heiß. Wir lassen uns im Schatten eines Baumes ins Gras fallen. Genießen die Stille und die Kühle des Bodens.

 

 

Weiter geht es an einer Alpe vorbei und dann – endlich – in den Wald. Schneller als gedacht erreichen wir den Gipfel des Bärenkopfs. Da das Gipfelkreuz bereits belagert wird (in der Nähe gibt es eine Bergbahn, daher kommen einige Wanderer hierher – schummelnd natürlich), machen wir ein paar Fotos auf einem Felsen. Dann picknicken wir im Schatten der Felsbrocken. Der Ausblick ist toll und ich nehme mir vor, nochmal bei etwas kühlerem Wetter für eine längere Wanderung zum Steineberg herzukommen.

 

 

Für den Abstieg wähle ich einen schmalen, unmarkierten Pfad über eine Wiese. Ob dieser ursprünglich von Menschen oder Kühen angelegt wurde, bleibt ungeklärt. Wie auch immer, schließlich mündet unser Pfädchen in eine Straße, die uns nach Gunzesried führt. Zurück nach Blaichach wandern wir durch einen wunderschönen Tobel, glücklicherweise mit vielen Zugängen zum Wasser. In einer Pause wate ich barfuß durch den Bach und klettere auf einen Felsen auf der anderen Seite. Kalle folgt mir ohne Leine, ganz selbstverständlich, kein Zögern. Wir sitzen auf dem Felsen, lehnen aneinander. Ich bin stolz auf ihn. Auch bei den Brücken schlägt er sich tapfer, selbst die fiese Metallgitterbrücke meistert er großartig.

 

 

 

Als wir in Blaichach ankommen, ist es Mittag und sehr heiß. Daher führt uns unser Weg direkt zum See. Hunde sind hier erlaubt und obwohl es kein offizieller Badesee ist, gibt es keine Verbotsschilder. Ich beschließe, einfach ins Wasser zu gehen. Wir finden eine kleine Bucht und können uns endlich abkühlen. Das perfekte Ende für eine Wanderung!

 

Tag 3: Breitach bei Tiefenbach (beliebig lange :))

Heute möchte ich Mia nicht wieder alleine lassen, deshalb gibt es keine Bergwanderung. Was unternimmt man mit altem Hund und Angsthund in den Alpen und bei Hitze? Flusswandern! Der Wasserstand in der Breitach ist so niedrig, dass das Flussbett teilweise trocken ist und zum Wandern genutzt werden kann. Keine Steigungen, keine anderen Wanderer oder Radfahrer und Abkühlung jederzeit in nächster Nähe. Wir klettern über Steine, waten immer wieder durchs Wasser. Nach drei Minuten im Bergwasser scheinen meine Beine zu erfrieren. Nach fünf Minuten geht es. Irgendwann fühlt sich das Wasser fast warm an. Wir gelangen an eine Art steinigen Strand. Kalle rennt. Glitzerndes Sonnenlicht auf kristallklarem Wasser, im Hintergrund erhaben die Berge. Alles strahlt. Ich stehe da und möchte die Zeit anhalten.

 

 

 

Bis ich die Ameisen bemerke, die scharenweise an meinen Beinen hochklettern. Jetzt renne auch ich.

Nachdem wir die Ameisen losgeworden sind, ist der Zauber wieder da. Schließlich gehen wir zurück und verbringen den Rest des Tages entspannt dösend und lesend. Und freuen uns auf den nächsten Tag.

 

 

Tag 4: Faistenoy (Oberstdorf) – Guggersee (ca. 6 Stunden)

Es ist dieser Rekordhitzetag. Temperaturen an die 40°C werden erwartet. Deshalb machen Kalle und ich uns schon um 6.30 Uhr auf den Weg. Vom Parkplatz Faistenoy wandern wir an der Stillach entlang Richtung Birgsau. Unglücklicherweise ist der Weg, den wir eigentlich nehmen wollten, gesperrt. Anscheinend läuft da irgendwo ein Stier herum. Warum muss der denn ausgerechnet auf dem Weg seinen Auslauf bekommen? Jedenfalls müssen wir die Straße nehmen. Obwohl für öffentlichen Verkehr gesperrt, fahren hier leider doch recht viele Autos.

Daher sind wir froh, dass wir bald von der Straße abbiegen und die Stillach überqueren können. Wir passieren skeptisch beäugt, aber unbehelligt eine Kuhweide und erreichen schnell einen steilen, steinigen Bergpfad. Kalle gibt ein zügiges Tempo vor und als ich irgendwann stehen bleibe, um zu Atem zu kommen und mich umzuschauen, merke ich erstaunt, wie viel Höhe wir schon gewonnen haben. Das Tal liegt klein und ruhig unter uns. Schließlich treten wir aus dem Bergschatten in die Morgensonne. Es hat etwas Erhebendes. Der Weg ist nun weniger steil und wunderschön, zwischen niedrigen Nadelgewächsen hindurch und mit großartiger Aussicht. Schließlich wechseln Wiesen die Gehölze ab. Die ganze Zeit ist uns kein Mensch begegnet. Nur Blumen, Schmetterlinge, Kalle und ich. Die Welt kann so schön sein.

 

 

 

Nur warm ist es. Wir machen Pause im Schatten. Bald gehen wir jedoch weiter, es wird ja nicht kühler. Wieder wird der Weg sehr steil. Trotz der Schönheit der Landschaft wird es irgendwann anstrengend. Ich ertappe mich bei der Hoffnung, dass wir hinter dem nächsten Felsen oben sind. Doch jedem Felsen folgt ein neuer. Auch Kalle wirft mir immer wieder Können-wir-uns-nicht-hier-hinlegen-Blicke zu. Die Trinkpausen mehren sich und ich beschließe, dass wir unseren Proviant ebenso gut schon verzehren können. Dann geht es weiter.

 

 

Und endlich erreichen wir den Guggersee. Ich bin  enttäuscht. Das ist kein See, das ist bestenfalls in Teich. Und schlechtestenfalls ein Kuh-WC. Alles ist mit Kot verschmutzt. Hier möchte ich nicht bleiben. Wir gehen noch ein Stück weiter, für den Fall, dass das gar nicht der Guggersee war, sondern nur irgendein Wasserloch. Aber  nein. Bald gelangen wir zu einer Alpe, leider sind hier nun Menschen und viel zu viele Kühe. Wir drehen um und wandern den gleichen Weg zurück. Ich bin ein wenig verstimmt und sinniere über die Problematiken der Nutztierhaltung im Allgemeinen und die Guggerseeverschmutzung im Speziellen. Doch bald versöhnt mich der nach wie vor wundervolle Ausblick wieder mir dieser Wanderung. Alleine hierfür hat sich der Aufstieg auf jeden Fall gelohnt.

 

 

Tag 5: Niedersonthofen – Falltobel – Stoffelberg (ca. 4 Stunden)

Entscheidendes Kriterium für die Wahl dieser Wanderroute ist die Nähe eines Sees, der diesen Namen verdient. Ich entscheide mich für den Niedersonthofener See. Als wir ihn gegen 7:30 Uhr erreichen, sind schon einige Jogger unterwegs und auf dem nahen Campingplatz ist auch schon Betrieb. Direkt am Wasser ist es glücklicherweise ruhig. Der Einstieg ist wunderbar flach, die Hunde können ein ganzes Stück in den See laufen, ohne schwimmen zu müssen. Abwechselnd nehme ich sie mit ins tiefere Wasser, lasse sie von mir gehalten jeweils kurz schwimmen. Noch immer sind sie der ganzen Sache gegenüber etwas skeptisch. Anschließend toben wir gemeinsam durch das flache Wasser. Ihre Ausgelassenheit lässt mich lachen und schweben.

Schließlich brechen wir zur Wanderung auf. Zunächst nehmen wir den sogenannten Kinderwagenweg. In Niedersonthofen können Kinderwagenkinder anscheinend lesen und interessieren sich neben Kühen und co für so lustige Dinge wie Giftpflanzen und den Fuchsbandwurm. Sonst hätte man hier ja nicht diese bunten, kindgerechten Informationstafeln aufgestellt. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Falltobel. Wir wandern den steilen Tobelweg etwas oberhalb des Baches entlang, klettern über Wurzeln und Steine. Oben am Wasserfall gibt es leider einige Metallgitterbrücken, die nicht gut für Hundepfoten geeignet sind. Wir überqueren sie schnell, und leider kann ich nicht mal ein Foto machen. 

 

 

Dann ist der Tobelweg auch schon geschafft. Wir gelangen aus dem Wald auf eine Wiese und erreichen schließlich das Örtchen Rieggis. Von dort aus halten wir uns nach Norden und nehmen dann den Bergwanderweg zum Stoffelberg. Der schmale, ebene Weg führt uns ohne allzu große Steigungen durch schattige Wälder, hin und wieder über eine sonnige Wiese. Trotz des schönen Wetters ist es absolut menschenleer. Auch diesen Flecken merke ich mir für zukünftige Wanderungen. Das letzte Stück auf den Gipfel ist nochmal recht steil. Die Aussicht oben großartig. Allerdings ist es in der Sonne nun doch recht heiß, weshalb wir unsere Pause etwas weiter nach unten in den Schatten verlegen. Anschließend machen wir uns an den Abstieg nach Niedersonthofen.

 

 

Und dort geht es natürlich wieder an den See. Auch außerhalb des Badebereichs, in dem Hunde verboten sind, gibt es immer wieder kleine Buchten, an denen man gut ins Wasser kann. Wir finden eine leere Stelle und kühlen uns endlich ab. Schließlich traue ich mich sogar, Kalle am Ufer anzubinden und alleine eine ganz kurze Runde zu schwimmen. Ich bin ewig nicht mehr geschwommen, und es fühlt sich herrlich an. Natürlich bin ich schnell wieder bei ihm, und wir gehen nochmal zusammen ins Wasser. Am Ende des Tages sind wir sehr müde, sehr hungrig und sehr glücklich.

 

 

Tag 6: Unwetterchen

Heute muss die geplante Wanderung leider ausfallen. Kann man nichts machen.

 

 

 

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