Staunend

Von Nordseehunden und Schlammrabauken 2: Camp Canis [Werbung]

[Hinweis: Dieser Artikel ist unbezahlt, jedoch aufgrund von Orts-/ Veranstaltungsnennungen als Werbung gekennzeichnet.]

Nach unserem Urlaub in Cuxhaven sind wir also in Wingst angekommen und bereit für Camp Canis.

Los geht es mit dem Check-in am Freitagabend. Wir treffen am Parkplatz des Campingplatzes Stephie und Enki von The Pell-Mell Pack. Die Rabauken sollen sich schon mal kennen lernen, damit sie einander hoffentlich am nächsten Tag beim Laufen keine bösen Wörter an den Kopf werfen. Die erste Begegnung verläuft ohne Gemurre und nach einem kleinen Spaziergang ist klar, dass Enki und Kalle keine Probleme miteinander haben. Ich atme etwas auf. 

Noch weiter atme ich nach dem Check-in auf. Denn Kalle ist einfach nur großartig. So viele fremde Hunde, irgendwo immer Gebell. Kalle mittendrin, gelassen, mehr an Streicheleinheiten interessiert als am Umfeld. Legt sich beim Schlangestehen einfach entspannt ab. Den Chip darf ich selbst ablesen, also auch hier kein Stress. Impfpass, Gangbild, alles reibungslos. An der Anmeldung freuen sich die Organisatoren, dass endlich mal ein Hund nicht unter den Tisch kriecht, hoch springt oder an der Tischdecke reißt.

Später am Abend treffen wir uns auch mit den anderen Mitglieder des Teams Schlammrabauken: Steffi mit Stimpy von Cocker, Lifestyle & more sowie Lizzy mit Hazel und Emmely von Behütet und Geliebt. Die arme Marion mit Momo ist dank des Unfalls eines Lasters, der durch Möhren und Öl auf der Fahrbahn einen größeren Stau verursacht hat, immer noch auf der Autobahn. Und Sandra und Charlie von Dreipunktecharlie konnten leider verletzungsbedingt überhaupt nicht kommen. Seit Anbruch der Dunkelheit hat Kalle in den Verteidigungsmodus geschaltet. Wer sich nähert oder von der Gruppe entfernt, wird erstmal angeknurrt. Ist schließlich Nacht, und wie jeder weiß, greifen die Anderen am liebsten im Schutz der Dunkelheit an. Da muss man eben doppelt vorsichtig sein. Außerdem ist er müde. Das hebt seine Laune im Allgemeinen nicht gerade. Deshalb verabschieden wir uns recht bald. Ich möchte schließlich am nächsten Tag mit einem ausgeschlafenen Hund laufen.

 

 

Und dann ist der große Tag da. Morgens drehe ich mit beiden Hunden eine Runde durch den Wald. Treffe ein älteres Ehepaar, das in einem Gespräch bemerkt, wir würden ja so eine Ruhe ausstrahlen. Ich nehme an, damit meinen sie Mia. Kalle und ich sind nämlich ziemlich aufgeregt. Schließlich bringe ich Mia in die Unterkunft, kontrolliere dreimal, dass ich alles eingepackt habe, und fahre mit Kalle zum Campingplatz. Ich suche einen Ort, an dem wir uns den Trubel schon mal in Ruhe anschauen können, ohne mittendrin zu sein. Und werde fündig. Oberhalb der Parkplätze finden wir einen breiten Baumstumpf, auf dem sitzend wir einen Teil der Laufstrecke und vor allem die Rutsche gut im Blick haben. Wir beobachten. Die Zeit vergeht.

Wir ziehen das Zuggeschirr an. Gehen zum Startpunkt. Begrüßen Marion und Lizzys Mann Erik, der mit Emmely mitlaufen wird. Schon ist unser Team an der Reihe. In unserem Startsong singt Godsmack von Legenden, die sich aus Asche erheben. Kalle sitzt mit dem Rücken zur Startrichtung und möchte jetzt bitte gehen. Auch ich bin nervös. Aber es gibt kein Zurück. Dann der Start. Wir laufen.

Einen Abhang hinauf. Einen Abhang hinunter. Zum Ende einer Schlange. Einer langen Schlange, der Anfang nicht in Sicht. Also warten wir. Nach einer Weile denke ich, dass ich meine Urlaubszeit eigentlich besser verbringen könnte. Dann nehme ich mir ein Beispiel an Kalle, der sich mit der Situation bereits angefreundet und hingelegt hat. Nutze die Zeit, um darüber nachzudenken, ob nicht-lokale Kollisionen in Verbindung mit Spinfreiheitsgraden die Massenschale bereits zur ersten Ordnung in Gradienten verändern. So gelangen wir entspannt zur Ursache des Staus: Den Booten. Kurzerhand hebe ich Kalle hinein. Er bleibt ruhig, während wir über den See gleiten. Lässt sich brav wieder hinaus heben. Läuft bereits etwas aufrechter, als ich ihn für die erste bestandene Hürde lobe.

 

 

Weiter geht es über einen schwimmende, bei Belastung leicht absinkenden Steg. Kalle traut sich zunächst nicht hinauf. Ich laufe mit ihm stattdessen durchs Wasser. Als wir auf der anderen Seite sind, geht er doch noch freiwillig auf den Steg. Nicht, dass ihm hinterher jemand vorhält, er habe sich nicht getraut. Beim nächsten Hindernis überrascht er mich wirklich: Als ich mich auf die Seilbahn setze, bleibt er erwartungsgemäß stehen. Ich ziehe ihn an der Leine ein kleines Stück nach vorne. Dann warte ich und lasse ihn die Entscheidung, ob er wirklich kommen möchte, selbst treffen. Er möchte. Dieser kleine, vertrauensvolle Schritt, mit dem er ja sagt. Ich liebe diesen Hund. Ich halte ihn gut fest, während wir von der Seilbahn auf die andere Seite getragen werden.

Es folgt dass einzige Schlammloch des Events. Kalle geht außen herum. Ich mitten hindurch. Beim Laufen kommt er nicht wirklich in den Zugmodus. Es mag an den anderem Hunden liegen, die vor ihm laufen oder an der Unübersichtlichkeit der Wege. Die Waldwege sind sehr schön, jedoch deutlich weniger gut einsehbar als die Feldwege, auf denen wir trainiert haben. Sobald der Weg schmal oder kurvig wird, möchte er eigentlich am liebsten hinter mir laufen. Sehr positiv überrascht bin ich von seinem Verhalten gegenüber den anderen Hunden: Niemand wird angeschnauzt, die Mädels dürfen sogar direkt neben ihm laufen. Den Rüden wirft er lefzenkräuselnde Blicke zu, wenn sie zu dicht an ihn heran kommen. Aber alles im Rahmen normaler Kommunikation, keine Ausraster.

 

 

Die meisten Hindernisse auf dem Weg meistert er problemlos. Nur in den Sacktunnel möchte er nicht hinein. Ich verstehe das, wir gehen außen herum. Dafür kriecht er aber sogar mit mir unter den gestapelten Strohballen hindurch und springt natürlich mit Begeisterung auf die Ballen auf der anderen Seite hinauf. 

Kurz vor Ende der Strecke kommt mein persönliches Highlight: Die Rutsche. Als ich mich oben an die Plane setze, sitzt Kalle sofort neben mir. Ich nehme ihn auf den Schoß, lege meine Arme um ihn. Er lehnt sich an mich. Wir rutschen, Schlamm spritzt, als wir unten ankommen. Ich grinse über das ganze Gesicht. Fühle mich an meine Kindheit und unsere Schneerutsche erinnert. Es ist wie damals, nur in braun statt weiß.

 

 

Schließlich laufen wir ins Ziel. Wir haben es geschafft!

Zwei Dinge, die den Tag perfekt machen: Erstens gibt es veganes Essen an einem der Stände. Zweitens ist Kalle trotz der vielen Menschen und Hunde und des Geräuschpegels nun erstaunlich gelassen. Legt sich in der Schlange an der Essensausgabe inmitten fremder Beine hin. Liegt, während ich esse. Zugegebenermaßen ist er müde. Ihm fallen beinahe die Augen zu. Trotzdem ist es erstaunlich, dass er so ruhig ist. Er erschreckt sich zwar bei plötzlichen lauten Geräuschen oder schnellen Bewegungen in seiner Nähe, ist aber weit davon entfernt, im ständigen Fluchtmodus zu sein. Es macht mich glücklich.

Fazit Camp Canis: Insgesamt war es großartig. Die Organisatoren haben einen fantastischen Job gemacht und sich viel Mühe mit den Hindernissen gegeben. Hatte ich erwähnt, dass ich die Rutsche mochte? Die Startzeiten hätten ein bisschen weiter auseinander liegen können, um das Schlangestehen zu vermeiden. Und eigentlich hätte ich mehr Matsch erwartet. Aber wir sind schon für Hoope nächstes Jahr im März angemeldet. Wie ich gehört habe, soll es da deutlich schlammiger sein. Was mich mehr freuen wird als Kalle. Wie auch immer, der Schlamm war natürlich nicht mein Hauptgrund, uns bei Camp Canis anzumelden. Sondern das gemeinsame Erleben. Und das war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe wirklich das Gefühl, dass Kalle und ich noch weiter zusammengewachsen sind, uns noch besser synchronisiert haben. Wenn ich mir die Fotos so anschaue, haben wir häufig sogar eine ähnliche Körperhaltung und einen ähnlichen Gesichtsausdruck. 😉

Fazit Schätersky: Ich liebe diesen Hund! Er hat das alles trotz seiner zahlreichen Baustellen so toll gemacht. Sein Vertrauen macht mich sprachlos. Außerdem hat er bewiesen, dass er fremde Hunde in seiner direkten Nähe tatsächlich akzeptieren kann. Ich werde ihn bei Gelegenheit daran erinnern.

An dieser Stelle möchte ich nochmal allen Schlammrabauken danken: Ihr seid ein fantastisches Team! Vor allem aber danke ich meinem vierbeinigen Laufpartner: Danke, Kleiner, dass du meine Verrücktheiten mitmachst. Du bist das mutigste Wesen, das ich kenne. Ich weiß, dass du nicht lesen kannst, deshalb werde ich dir jetzt ein extragroßes Stück Pansen holen. Vielleicht wirst du wissen, was dir damit sagen will.

 

3 Kommentare

  • Wohlstandshund

    Ich muss gestehen, dass ich richtig gespannt war auf deinen Nachbericht zum Camp Canis, weil ich ja auch keinen Easy-going-Hund habe. Umso mehr freut es mich, dass ihr das so gut gemeistert habt. Das macht Mut evtl. auch mal an so einem Event teilzunehmen (…wenn meine Kondition nicht so ultra grotttig wäre :)). Vielen Dank für die interessanten Einblicke!

    • Kalle

      Mitmachen lohnt sich auf jeden Fall! 🙂 Und was die Sache mit der Kondition angeht: Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich mich angemeldet hatte, war meine auch irgendwo zwischen sehr schlecht und nicht vorhanden. Tatsächlich hat mich erst die Aussicht auf dieses Event überhaupt zum Laufen motivieren können. Am Ende war es dann aber nur sehr wenig anstrengend. Wir haben Gehpausen gemacht und ohnehin war ja Pause an jedem Hindernis. Also alles ganz entspannt. 🙂

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