Das Leben und so

Von Tempeln, Sternen und alten Königen: Wandern mit Hund im Taunus

Wir wandern. Zu einer Weißen Mauer, die weder weiß noch eine Mauer ist. Zu einem alten König, der die Alpenlandschaft nach Hessen bringt. Durch Wälder, über Flüsse, auf imaginären Pfaden und Holzwegen.  Zu einem Tempel, der offen für alle ist. Zu Planetengesetzen und Sonnenuhren. Zu Aussichten auf Himmelslinien, auf Burgen und Städte. Und heute wollen wir dich mitnehmen. Auf zwei unserer neuen Lieblingstouren im Taunus, der nun quasi vor unserer Haustür liegt.

Leider ist meine Karte nicht besonders gut. Deshalb habe ich es aufgegeben, auf bestimmten Wanderwegen laufen zu wollen. Wir nutzen die Wege, die sich gerade anbieten, je schmaler, desto besser. Wir laufen nach Gefühl. Hin und wieder kontrolliere ich unseren Standort und die Lage des jeweiligen Zieles mit meinem Handy. Auf diese Art hangeln wir uns entlang der vorher ausgewählten Punkte, die wir besuchen wollen. Die Gehzeiten sind inklusive geplanter und ungeplanter Umwege, Abkürzungen, Pausen, Picknick und Fotos. Also im Grunde eher nutzlos.

Tour 1: Oberursel Hohemark – Weiße Mauer – Altkönig (ca. 4 Stunden)

Wir parken an der U-Bahn-Station Oberursel Hohemark. Unser erstes Ziel ist die Weiße Mauer. Was auch immer das ist. Zunächst geht es den Urselbach (was für ein süßes Wort!) entlang. Leider liegt der Weg sehr dicht neben der Straße. Ist mir zu unromantisch. Obwohl ich den Bach mag. Wir klettern den Hang hinauf. Endlich Ruhe, nur noch Waldgeräusche um uns herum. Schließlich stoßen wir auf einen schmalen Pfad, der etwa parallel zur Straße verlaufen muss. Wir folgen ihm eine Weile. Kalle drängt nach vorne und ich bereue etwas, dass ich das Zuggeschirr nicht mitgenommen habe. So muss die Schleppleine genügen. Schließlich zeigt der Blick aufs Handy, dass wir mehr nach Westen müssen. Wir biegen auf einen Weg ab, der wohl eigentlich nur für Baumfällarbeiten besteht.

 

 

Nun geht es steil den Berg hinauf. Mia fällt etwas zurück. Wir warten und kurz mache ich mir Sorgen, es könnte zu anstrengend für sie sein. Doch sie scheint okay. Irgendwann erreichen wir einen Wanderweg. Nun kann die Weiße Mauer nicht mehr weit sein. Dann das Schild: Weiße Mauer. Ich kann weit und breit keine entdecken. Warum zum Teufel heißt das Teil nicht Grauer Fels? Das wäre die deutlich treffendere Bezeichnung. Abgesehen von unpräziser Namensgebung ist es aber wunderschön. Schmale Pfade durch niedriges Gestrüpp und über Felsbrocken, ein fantastischer Ausblick. Nach einigen Fotos setzen wir uns auf einen Baumstamm. Schauen und atmen.

 

 

Dann geht es weiter. Nächstes Ziel: Altkönig. Wieder biegen wir so bald wie möglich vom breiten Wanderweg ab auf einen Holzweg. Als ich unseren Standort kontrollieren will, habe ich keinen Empfang. Weil der Altkönig ein Berg ist, erscheint es logisch, an jeder Kreuzung den Weg mit dem höchsten Gradienten zu wählen. Aus Stöcken lege ich an jedem Entscheidungspunkt einen Pfeil, der in die Richtung zeigt, aus der wir gekommen sind. Sicher ist sicher. Die Hunde wundern sich. Nach einer Weile haben den Wald hinter uns gelassen und wandern über Wiesen und Felsen, die landschaftlich stark an die Alpen erinnern. Ich möchte Fotos machen. Die Handykamera lässt mich im Stich. Verärgert stecke ich das nutzlose Teil in den Rucksack.

Hier oben liegt Schnee. Kalle findet ihn klasse und stößt schwungvoll seine Schnauze hinein, Schnee wirbelt durch die Luft. Ich lache. Am höchsten Punkt angekommen, machen wir Rast und teilen uns mein Brot. Die Beschilderung sagt uns, dass wir richtig sind. Die Sonne kommt raus. Diesmal passt der Name, denn der Altkönig wirkt alt und königlich.

 

 

Für den Rückweg möchte ich nicht wieder den gleichen und auch nicht den kürzesten Weg nehmen. Also entscheide ich mich gegen die Gradientenmethode und folge einem der ausgeschriebenen Wanderwege, der mich im Bogen zum Ausgangsort zurückführen soll. Wir folgen den Markierungen durch den schwarzen Balken. Es geht wieder in den Wald.  Immer bergab. Irgendwann fällt mir auf, dass ich schon lange keinen Balken mehr gesehen habe. Ich bin nicht geschaffen für offizielle Wanderwege. Wir folgen stattdessen einem Bach, der uns sicher nach unten führt, ohne plötzlich zu verschwinden. Als wir aus dem Wald auf Wiesen gelangen, weiß ich, dass dies die Hünerbergwiesen von Oberursel sind. (Frag mich nicht, was Hüner sind. Das Federvieh der Legastheniker?) Auch mein Empfang ist wieder da. Ein netter, kleiner Pfad führt uns parallel zur Bundesstraße zurück zum Parkplatz. Alles in allem eine wunderschöne Wanderung. Ich wünschte, ich hätte mehr Fotos machen können.

Tour 2: Lorsbacher Wand – Bahai-Tempel – Sternwarte Hofheim – Eppstein (ca. 5 Stunden)

„Sie haben Ihren Zielort erreicht! Ziel auf der linken Seite!“, verkündet mein Navi mit der ihm eigenen Überzeugung. Ratlos biege ich links von der Straße ab und bleibe stehen. Hinter mir hupt ein LKW. Offensichtlich handelt es sich hier nicht um den Parkplatz, dessen Adresse ich eingegeben hatte, sondern um eine Liefereinfahrt für irgendeinen Betrieb. Wenn möglich, bitte wenden, denke ich, und biege wieder auf die Straße. Schließlich parke ich ein ganzes Stück weiter auf einem breiten Streifen neben der Fahrbahn. Der Parkplatz bleibt unauffindbar. Obwohl wir nicht am geplanten Ausgangspunkt, der Lorsbacher Wand, sind, machen wir uns fröhlich auf den Weg Richtung Bahai-Tempel. Heute sind wir nur zu zweit, Mia schläft sich zuhause aus. Zunächst auf einem Wanderweg, dann auf einem unserer favorisierten Holzwege, geht es stetig bergauf. Ein Hügelkamm, dann ein Weg, der auf der anderen Seite parallel zum Kamm verläuft. So langsam müssten wir wirklich nach Westen. Zweifelnd blicke ich auf den Steilhang, der neben uns abfällt. Ob wir so bald in diese Richtung können? Doch zum Glück schlängelt sich der Weg nach einer Weile nach unten, über einen Bach und auf der anderen Seite wieder hinauf. Gerade möchte ich unseren Standort kontrollieren, da sehe ich zwischen den Bäumen die Spitze einer Kuppel. Wir haben den Bahai-Tempel erreicht.

 

 

Der Bahai-Tempel ist keiner bestimmten Religion gewidmet, sondern ein Treffpunkt für Angehörige aller Religionen. Ich rechne damit, dass wir nicht in die Anlage hinein dürfen, und bin positiv überrascht, als ich „Hunde bitte anleinen“ auf einem Schild am Eingang lese. Dieser Tempel ist mir sehr sympathisch! Wir nutzen die Gelegenheit für ein paar Fotos.

 

 

Das nächste Ziel ist in wenigen Minuten erreicht: Die Sternwarte Hofheim. Tagsüber natürlich geschlossen. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Kalle sieht seine erste Sonnenuhr und lernt die Kepler’schen Gesetze kennen. Dass sich Planeten auf Ellipsenbahnen bewegen, war damals die Erkenntnis, löste bis dahin ungeklärte Rätsel der Astronomie. Das ist allemal ein Foto mit dem Schätersky wert.

 

 

Auf geht es Richtung Eppstein! Auf einem netten Waldweg gelangen wir zur Skyline View. Dank klarem Wetter haben wir auch wirklich einen tollen Blick auf die Frankfurter Himmelslinie. Wir klettern auf den Felsen hinter dem Häuschen und nutzen die Gelegenheit für eine ausgiebige Rast mit Picknick. Dann stellen wir fest: Hoch war leichter als runter. Wir versuchen, eine geeignete Stelle zu finden, um möglichst sicher wieder auf den Weg zu gelangen. Eine ältere Dame beobachtet uns. „Was machen Sie da oben?“, ruft sie mir zu. „Wir versuchen, runter zu kommen“, rufe ich wahrheitsgemäß zurück. Schließlich setze ich mich auf meine Fersen und rutsche einfach. Kalle möchte laufen, gerät aber auf halber Strecke ebenfalls ins Rutschen und flüchtet sich mit einem Satz auf meinen Schoß. Nun rutschen wir gemeinsam. Die Dame schaut skeptisch zu. „Jetzt müssen Sie mir aber erklären, was sie dort gemacht haben“, behauptet sie. „Picknick.“ „Ist da denn ein Weg?“ Kalle brummelt, denn die Frage ist reichlich sinnlos, offensichtlich ist da kein Weg, und ich bin langsam genervt. Ich murmele noch etwas von wegen nein, Picknick und bin froh, als wir wieder vom breiten Weg auf einen menschenleeren Pfad abbiegen können. Herrliche Stille.

 

 

Kurz vor Eppstein haben wir die Wahl zwischen zwei Wegen. Einer ist beschildert, der andere nicht. Ich entscheide mich für letzteren. Er führt an einem Bach entlang und scheint lange nicht benutzt worden zu sein, teilweise ist der Durchgang von Baumstämmen versperrt. Für uns natürlich kein Problem.

 

 

Am Ende des Weges stoßen wir auf eine Art kleinen Agilityplatz mit ein paar Geräten. Es gibt keinen Zaun. Kalle macht ein paar vorsichtige Erfahrungen mit der Wippe. 

 

 

Als wir weiter gehen wollen, stellen wir fest: Es geht nicht weiter. Wir sind an der Rückseite eines Wohngebietes gelandet. Alles ist eingezäunt. Rechts und links steile Abhänge. Also habe ich die Wahl: entweder den ganzen Weg zurück. Oder wieder mal klettern. Etwa nach der Hälfte des Hanges geht uns die Puste aus. Wir lehnen am Abhang und aneinander. Die Aussicht ist gut. Trotzdem beginne ich, meine Entscheidung zu bereuen. „Wir haben es fast geschafft“, ermutige ich uns. Dann endlich sind wir oben. Und sehen: Dornengestrüpp und einen Zaun. Der Weg ist dahinter. Doch ein Zurück gibt es nicht. Ich finde eine Stelle, an der der Maschendraht lose ist, sodass ich ihn leicht anheben kann. Ich schiebe den Rucksack hindurch, schlängele mich auf dem Bauch hinterher. Nach kurzem Zögern kriecht auch Kalle durch die Öffnung. Ich finde ihn großartig. Camp Canis kann kommen, denke ich.

 

 

In Eppstein angekommen, werfen wir einen kurzen Blick auf die Burg, durchqueren den Ort und machen uns auf der anderen Seite wieder an den Aufstieg. Unser Bedarf an Abenteuern ist fürs Erste gedeckt und wir halten uns an die beschilderten Wanderwege.  Am Mendelssohn-Gedenkstein legen wir eine weitere Rast ein. Religion, Astronomie, Musik: Niemand kann sagen, ich würde nicht auf Kalles kulturelle Bildung achten.

 

 

Schöne Aussichten kann er auch wieder genießen. Er ist ein Glückspilz. Und ich natürlich auch.

 

An der nächsten Kreuzung entscheide ich mich gegen den kompletten Aufstieg auf den letzten Berg und wähle stattdessen den kürzeren Rückweg auf halber Höhe. Schließlich sind wir schon seit über vier Stunden unterwegs und zuhause warten Mia und Kaffee auf uns. Entspannt laufen wir den sanft abfallenden Weg entlang und genießen die Sonnenstrahlen, die durch die Zwischenräume der Äste fallen. Am Ende machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Lorsbacher Wand, um uns von ihrer Existenz zu überzeugen. Es gibt sie, wenn auch ohne Parkplatz. Nach einigen Beweisfotos machen wir uns auf den Weg zum Auto. Wir sind müde und glücklich und ich habe mir fest vorgenommen, noch mal hierher zu kommen.

 

 

Ein Kommentar

  • Isabella

    Da habt ihr zwei schöne Touren gemacht – wobei ich zugeben muss, die zweite Tour gefällt mir von den Aussichten her noch besser. Besonders den Bahai-Tempel fand ich sehenswert – und natürlich Kalle auf dem Gedenkstein.
    Das Wetter war für solche Wanderungen ja echt passend.
    Was das Finden und Folgen von Wanderwegen angeht sind wir hier auch nicht sehr talentiert … nur ist das bei uns hier kein so großes Problem. Durch die weiten und ebenen Flächen finden wir meist unseren Startpunkt gut wieder 🙂

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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