Das Leben und so

Wenn es eng wird – der Hund in Auto und co

Der Schätersky ist bekanntermaßen ein ängstlicher Hund. Und wenn es eng wird, in geschlossenen Räumen, irgendwie eingeengt, ist er ein panischer Hund. Beziehungsweise war es. Mittlerweile hat sich das stark verbessert. Wie wir das erreicht haben, möchten wir euch in diesem Beitrag erzählen. Da diese Problematik unter anderem auch das Autofahren betrifft, gehört dieser Beitrag zur miDoggy Parade „Autofahren mit Hund – So klappt’s“.

Kalle ist ein Hund der Weite und Freiheit. Ein Hund, der den Horizont sehen möchte und laufen, laufen, laufen. Das Problem ist halt: Das geht nicht immer. Wie lernt ein freiheitsliebender und -brauchender Hund, das nicht jede Einschränkung, jede Leine, jede Wand ein Grund zur Panik ist?

Die erste Frage, die man sich bei der Behandlung von Ängsten stellen sollte, ist: Wovor genau hat der Hund Angst? Da die Länge einer solchen Liste allerdings gegen unendlich geht, stellte ich mir stattdessen eine andere Frage: Wovor hat er keine Angst? Was findet er gut? Antwort: Essen, Mia und mich. Insbesondere bekommt er keine Panik, wenn ich ihn festhalte und seine Bewegungsfreiheit einschränke. Damit kann man doch arbeiten.

Schritt 1: Auf seinem Platz bleiben.

Für Kalle deutlich einfacher, weil er durch nichts Physisches daran gehindert wird, sich frei zu bewegen. Die Eingrenzung ist rein mental. Ihn zu seinem Platz bringen und ihm geistig und körpersprachlich bedeuten, dort zu bleiben. Versuchen, meine Barrieren zu umgehen, was ich natürlich verhindert habe. Seine Decke anfressen. Stattdessen ein Kauspielzeug bekommen. Lernen, zur Ruhe zu kommen, sodass auch das Kauen aufhörte. Heute kann ich ihn in vertrauter Umgebung mit einem Kopfnicken an irgendeiner Stelle bleiben lassen, wo er es sich bequem macht und wartet. Wichtig ist, dass er keinen „Auftrag“ wie „Platz“ bekommt, da er sich sonst nicht wirklich entspannen könnte.

Schritt 2: Eng am Menschen.

Lustige Übungen, bei denen er lernt, dass Enge Spaß machen kann. Da er zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Angst mehr vor mir hatte, lösten Begrenzungen durch meine Arme und Beine keine Panik aus. Slalom durch meine Beine laufen, unter mir stehen, unter meinem Arm durchlaufen. Dank viel Lob und Futter Spaß dabei haben. Während ich sitze, unter meinen angewinkelten Beinen durchkriechen. Dort liegen bleiben. Ganz doll gelobt werden. Und schon ist der Hund entspannt in einer beengten Situation.

Schritt 3: Das Auto.

Zugegebenermaßen etwas vorgezogen und leicht beschleunigt. Kein kleinstschrittiges Herantasten. Es war einfach notwendig, dass er es in endlicher Zeit lernte. Es kann immer sein, dass man seinen Hund mal im Auto transportieren muss. Außerdem wollte ich mit ihm so bald wie möglich zur Hundeschule. Damals hatte ich noch die Illusion, dass ihm das helfen würde. Ich habe es genau so gemacht, wie man es angeblich nicht machen darf: Hund schnappen, ins Auto tragen. Mich neben ihn setzten, ihn streicheln und im Arm halten. Ganz doll loben. Wieder heraus tragen. Jeden Tag. (Ich kann nicht sagen, ob diese Strategie bei jedem Hund zu empfehlen ist. Wenn der Hund unfreiwilligerweise in so eine Situation gebracht wird, ist es in jedem Fall wichtig, dass er nicht eigenmächtig „entkommen“ kann, da die Flucht zusätzlichen Stress auslöst. Also nicht zulassen. dass der Hund aus dem Auto springt und wegrennt, sondern immer selbst die Kontrolle behalten und ihn lieber tragen. Außerdem sollte man natürlich sicher sein, dass er einem so weit vertraut, dass er nicht in Panik gerät und wild zappelt oder um sich schnappt.) Irgendwann hatte seine Angst so weit nachgelassen, dass er fressen konnte. Sehr viel Hühnchen im Auto verfüttern. Bis es so positiv verknüpft war, dass Kalle von selbst hinein sprang. Jemand anderen bitten, zunächst den Motor anzulassen und dann ein kleines Stück zu fahren, dabei weiter füttern. Nach und nach wurden die Strecken verlängern. Dann das Hühnchen weglassen und mich schließlich selbst nach vorne setzen. Heute liebt Kalle das Autofahren. Besonders weil man dabei aus dem Fenster schauen kann, den Horizont sieht und es im Grunde ist, als würde man sehr schnell laufen.

Schritt 4: Stühle, Tische und mehr.

Nun konnten wir anfangen, an Begrenzungen durch Gegenstände zu arbeiten. Seite an Seite unter dem Tisch durch kriechen. Seite an Seite unter dem Tisch liegen. Mit Schnauze und Pfote Futter unter dem Sofa oder einem Stuhl hervor angeln. Das Futter so weit unter dem Stuhl platzieren, dass auch der Kopf unter den Stuhl muss. Noch ein Stück weiter. Ratlos davor stehen und sich nicht trauen. Sich an meinen ausgestreckten Arm gedrückt langsam unter den Stuhl schieben. Ganz doll gelobt werden. Lernen, unter dem Stuhl zu liegen. Lernen, alleine unter dem Stuhl durch zu laufen. Ganz doll gelobt werden. Lernen, auf dem Stuhl zu sitzen. Den Stuhl toll finden.

Schritt 5: Die Transportbox.

Die Box ist das Finale. Eng und verschlossen und irgendwie das Gegenteil von Weite und Freiheit. Viele Hunde mögen Boxen, weil sie ihnen Geborgenheit und Schutz geben. Kalle ist wie immer anders. Sein Lieblingsaufenthaltsort wird sie wohl nie werden. Aber wenn es notwendig sein sollte, kann er ruhig und ohne Angst in einer verschlossenen Box bleiben. (Es ist eine Gitterbox, um ihn besser abzuschirmen, hänge ich eine Decke darüber.) Der Weg dorthin war recht lang und bestückt mit sehr viel Hundewurst. Neben der Box füttern. Mit der Nase in der Box füttern. Weitere Teile des Hundes hinein zu bekommen, war Kleinstarbeit. Die Fortschritte gemessen in Millimeter pro Tag. Natürlich ging er keinesfalls alleine hinein. Wir beide also mit Köpfen in der Box und Hinterteilen außerhalb. Wäre einer von uns auch nur ein bisschen dicker, wären wir nebeneinander in der Boxentür stecken geblieben. Seine Pfoten beim Füttern hochheben und in die Box stellen, gleichzeitig die fütternde Hand leicht nach vorne ziehen, Hundeschnauze folgend. Ganz doll loben. Irgendwann kamen die Vorderpfoten von alleine, dann die Hinterpfoten hinein heben. Bis auch diese (nach Wochen) freiwillig kamen. Wir beide in der Box, ich ordentlich gefaltet. Trotzdem ganz doll loben! Langsam beim Betreten der Box zurückbleiben, bis Hund alleine ging. Von außen füttern. Ganz doll loben. Die Geräusche des Riegels desensibilisieren, auf und zu und auf und zu, während der Hund seine Rinderhaut kaute. Futter langsam reduzieren, Distanz zur Box vergrößern. Hund mit Kauartikel in offener Box bleiben lassen. Während er in der Box kaut, ganz kurz die Tür schließen. Geschlossene Türenzeit verlängern, öffnen, bevor er fertig ist. Dann kurz geschlossen halten, nachdem er fertig ist. Ganz doll loben. Zeit ohne Beschäftigung in der Box verlängern. Geschafft! Box in den Keller stellen und nie wieder verwenden. (Eine Zeit lang bei Besuch, aber auch da brauche ich sie mittlerweile nicht mehr.)

Aber immerhin: Der ehemals panische Hund bleibt heute entspannt in beengten Situationen. Wie reagiert dein Hund, wenn seine Freiheit eingeschränkt wird? Wie hast du ihn an solche Situationen gewöhnt?

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