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Wie ich zum Hundemenschen wurde [Blogparade/Verlinkung/Werbung]

Wie wird man eigentlich zum Hundemenschen? Diese Frage stellt Dini von Hundekind Abby in ihrem Aufruf zur Blogparade. Und ich finde sie gar nicht so leicht zu beantworten. Wurde ich schon als Hundemensch geboren? Und wenn nein, wer oder was hat mich dazu gemacht? Und wann? Und hätte es auch ganz anders kommen können?

Zunächst einmal, was ist überhaupt ein Hundemensch? Wiktionary hat die folgende Definition für uns:

  1.  Person, welche Haustiere, dessen Vorfahre der Wolf ist, mag
  2.  Fabelwesen, welches zur Hälfte aus einem Haustier, dessen Vorfahre der Wolf ist, und zur anderen Hälfte aus einem Primaten, welcher den aufrechten Gang beherrscht, besteht

Argh, das mit der Grammatik üben wir noch. Und besonders schön und präzise finde ich diese Definition auch nicht. Deshalb hier meine eigene. (Für die erste Bedeutung. Falls du irgendwie zum Hundemenschen gemäß der zweiten Bedeutung wurdest, empfehle ich dir das St.-Mungo-Hospital für Magische Krankheiten und Verletzungen.)

Person, für die ein oder mehrer Vertreter der Unterart Canis lupus familiaris ein fester und wunderbarer Bestandteil ihres Lebens sind, auf den sie nie wieder verzichten möchte.

Damit hätten wir die Terminologie geklärt, kommen wir zur eigentlichen Frage. Wie wurde ich zum Hundemenschen?

Tatsächlich glaube ich, dass die Veranlagung zum Hundemenschen schon immer ein Teil von mir war. Tiere haben mich schon immer magisch angezogen. Schaut man sich Kinderfotos von mir an, fallen zwei Dinge auf:

  1. Sowohl meine Kleidung als auch meine Frisur sehen unmöglich aus.
  2. Auf dem Foto ist mindestens ein Tier zu sehen.

 

Ziemlich unscharf, aber wahrscheinlich wird deutlich, was ich meine. Ich bin übrigens die mit dem Lama.

 

Aufgewachsen bin ich mit einer Katze namens Aprilja, die mich leider nur bedingt mochte. Sie war älter als ich, früher in der Familie gewesen und von kleinen, schreienden, händchen-in-fell-patschenden Veränderungen nur so semi-angetan. Aus heutiger Sicht kann ich es ihr nicht verdenken. Leider entwickelte ich dann noch eine Katzenhaarallergie, weshalb das arme Tier nicht mehr in die Wohnräume durfte und vorwiegend draußen lebte. (Sie war ohnehin Freigängerin mit Leib und Seele und nicht unbedingt ein Kuschelmonster.) Obwohl wir, als ich älter wurde, noch miteinander warm wurden, gab es da nie diese Verbindung, die ich mit Hunden habe.

 

Mit meiner Schwester und einem unserer Kaninchen (und ausnahmsweise sehe ich halbwegs ordentlich aus. Muss ein besonderer Anlass gewesen sein).

 

Später hatte ich Kaninchen, die ich sehr geliebt habe, sowie Schnecken, Krebse, Kröten, Ameisen und überhaupt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war und meiner Meinung nach unbedingt „gerettet“ werden musste. Meine Eltern hatten ihre Freude mit mir. Besonders, als meine Schneckenzucht erfolgreich war. Die frischgeschlüpften Schneckenbabys (es waren dutzende) waren so klein, dass sie durch die Luftlöcher meines Terrariums in den Garten entkamen. Vermutlich wurden die meisten gefressen, aber ich stelle mir gerne vor, dass einige überlebten und für die angefressenen Rosen und Salatblätter in diesem Jahr verantwortlich waren. Bei dem Gedanken an Babyschnecken wird mir noch heute ganz warm ums Herz. Winzige, zarte Fühlerchen, die vorsichtig-neugierig aus einem stecknadelkopfgroßen Schneckenhaus lugen. Ein zerbrechlich-schmaler Körper, der sich entschlossen hinterher schiebt. Die erstaunliche Geschwindigkeit, wenn dieses kleine Wesen Fahrt aufnimmt und, eine kaum merkliche Schleimspur hinterlassend, über deine Hand kriecht. Nur Hundewelpen sind niedlicher.

 

Schnecken liebe ich noch immer.

 

Zu meinem großem Glück trat genau so ein Hundewelpe in mein Leben, als ich elf war. Mia. Mehr zu dieser Geschichte erfährst du hier. Ich bin meiner Schwester wahnsinnig dankbar, dass sie damals unbedingt einen Hund wollte. Denn ohne diesen Hund wäre möglicherweise alles ganz anders gekommen. Ich wusste, dass ich gut mit Tieren umgehen konnte, mit Pferden und eben besagten Kaninchen. Hunde waren für mich zunächst nichts Besonderes. Bis ich merkte, dass sie es doch sind. Dass die Verbindung zu ihnen viel stärker ist als die zu anderen Tieren. Besonders eben.

 

Mia war so ein zauberhafter Welpe.

 

Ich kann gut mit Tieren umgehen. Mit Hunden kann ich besonders gut umgehen. Manchmal denke ich, dass es praktischer wäre, besonders gut mit Menschen umgehen zu können. Besonders gut mit Nashörnern oder Rotgesichtsmakaken umgehen zu können, wäre dagegen deutlich unpraktischer. Alles in allem habe ich also nicht so schlecht getroffen.

 

Mit Tierheimhündin Kimba.

 

Wenn du mit mir unterwegs bist und ich plötzlich anfange, über das ganze Gesicht zu strahlen, kannst du sicher sein, dass ein Hund der Auslöser dafür ist. Wenn jemand mit Hund durch eine volle U-Bahn läuft und der Hund stehen bleibt, um genau eine Fremde zu begrüßen, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich das bin. Früher in der Hundeschule, auf öffentlichen Plätzen, an der Uni: Wenn ich mich irgendwo hin setze und sich der Besitzer in der Nähe aufhält, legen sich Hunde gerne an mein Bein. (Zumindest, wenn letzteres nicht von Kalle bewacht wird. Der glaubt nämlich, er hätte das alleinige Recht auf Beinliegen bei mir.) Als Kind hatte ich im Grunde zwei beste Freundinnen: eine menschliche und deren Pudeldame. (Mia war nicht meine Freundin. Sie war meine zweite kleine Schwester.) Und wenn ich meine Freundin besucht habe, habe ich im Grunde beide gleichermaßen besucht. Der Pudel liebte mich. Der Freudentanz zu meiner Begrüßung war spektakulär. Und mal ganz unter uns: Ich liebte den Pudel ebenfalls. Getanzt habe ich nicht, vermutlich hat man es mir aber trotzdem angemerkt.

 

Drei Geschwister (von denen zwei gebürstet aussehen und eine, als wäre sie in einen Orkan geraten).

 

So ist das mit Hunden und mir. Und angefangen hat es eben mit Mia. Ich merkte, wie gerne ich mit ihr spazieren gehe, die Gegend erkunde, mit ihr trainiere, ihr alle möglichen Tricks beibringe. Ich stellte die Pferdebücher zur Seite und vertiefte mich in Hundeliteratur. Bei vielem, was ich erlebte, war sie mit dabei. Abenteuer, Picknicke, Schlittenfahrten, Strandspaziergänge, Alpenwanderungen. Auf fast jedem Erinnerungsfoto ist auch ein gewisser Hund zu sehen. Ohne sie hätten viele glückliche Momente meiner Kindheit einiges von ihrem Zauber eingebüßt.

 

Urlaub – natürlich mit Hund.

 

Eine andere meiner schönsten Kindheitserinnerungen mit Hunden sind die Welpen der Nachbarn meiner besten Freundin. Normalerweise haben wir bei diesen Nachbarn vor allem die Schildkröten mit Löwenzahn gefüttert. Mit ihren Hunden hatten wir nicht besonders viel zu tun. Wir wären zwar gerne mit ihnen spazieren gegangen, durften aber verständlicherweise nicht. Die Rhodesian Ridgebacks brachten wahrscheinlich genauso viel auf die Waage wie wir damals und waren auch sonst keine ausgesprochen kindergeeigneten Hunde. Aber eines Tages hatten sie Welpen. Zehn Stück. Wir waren begeistert. Denn wir hatten eine Mission: Die Rasselbande zum Schlafen zu bringen. Zuerst die Kleinen müde spielen. Und dann in den Schlaf kuscheln. Unruhige Hündchen im Arm wiegen, bis sie die Augen schließen. Vorsichtig ablegen. Hier ein Bäuchlein kraulen, dort ein Köpfchen streicheln. Sobald man bei Welpe Nummer neun angekommen ist, werden Nummer eins, zwei und drei wieder unruhig, also zurück auf Anfang. Bis endlich herrliche Ruhe einkehrt und alle selig schlafen. Zusammengekuschelte Welpen, leise schnarchend, überproportionale Pfötchen, im Schlaf zuckend. Man möchte sie nur einschauen. Für den Rest seines Lebens. Wenn das Hundevirus mich nicht schon längst infiziert hätte, spätestens jetzt wäre ich verloren gewesen.

 

Zusammen.

 

Und doch. Möglicherweise hätte es zu diesem Zeitpunkt noch ein Zurück gegeben. Wäre ein Leben ohne Hund noch vorstellbar für die Zukunft gewesen. Ich glaube, endgültig und unumkehrbar zum Hundemenschen hat mich erst Kalle gemacht. Kalle, der genau der Hund ist, den ich brauche. Der mich braucht. Mein Seelenhund. Von dem ich so viel gelernt habe, der mich zum Lachen bringt oder tröstet, der mich manchmal besser kennt als ich selbst. Durch den mir klar wurde, dass mein Leben ohne Hund nicht vollständig wäre. Dass Hunde und ich zusammen gehören. Dass ich ein Hundemensch bin und dass das wunderbar und großartig ist und neben Pfotenabdrücken und Haaren auf nahezu jedem Kleidungsstück vor allem riesiges Glück bedeutet.

 

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